Das Einkommen ist in Nordrhein-Westfalen nicht gleich verteilt: Es gibt deutliche regionale Unterschiede des steuerpflichtigen Einkommens.
Ungleichheiten zeigen sich dabei nicht nur zwischen den Städten und Gemeinden, sondern auch innerhalb der einzelnen Kommunen: Dies zeigt eine georeferenzierte Auswertung für Nordrhein-Westfalen, die erstmals einen detaillierten Überblick der Einkommensverteilung auch auf kleinräumiger Ebene bietet. Basis ist die Lohn- und Einkommensteuerstatistik mit dem Berichtsjahr 2021. Eine Kartenanwendung ermöglicht mithilfe einer 1x1-Kilometer-Rasterung in Städte, Gemeinden und teilweise sogar Stadtbezirke hineinzuschauen. Dies ist durch die Methode der Kerndichteschätzung möglich, die eine georeferenzierte Darstellung erlaubt, bei der zugleich die Anforderungen zur statistischen Geheimhaltung gewahrt bleiben.
Welche Einkommensunterschiede gibt es in NRW auf kleinräumiger Ebene? Dieser Artikel macht beispielhaft anhand einzelner Städte und Regionen Nordrhein-Westfalens regionale Unterschiede beim Medianeinkommen sichtbar.
Verteilung der Einkünfte allgemein
Was wissen wir bisher über die Verteilung der Einkünfte in NRW?
Die jährliche Lohn- und Einkommensteuerstatistik liefert umfassende Erkenntnisse zu den Löhnen und Einkommen der Bevölkerung in NRW auf Gemeindeebene. Sie basiert auf den Daten von mehr als 9 Millionen Steuerpflichtigen. Wenn in diesem Beitrag von Einkommen oder Einkünften die Rede ist, ist immer das Merkmal „Gesamtbetrag der Einkünfte“, welcher der Lohn- und Einkommensteuer unterliegt, gemeint. Die Einkünfte werden je Steuerpflichtigen betrachtet, dies kann eine Einzelperson oder ein zusammen veranlagtes Paar sein.
Die Daten der Statistik zeigen: Zwischen den Gemeinden und Städten in NRW gibt es große Unterschiede beim durchschnittlichen Einkommen der Steuerpflichtigen, gemessen anhand des arithmetischen Mittels. So weisen Meerbusch sowie Odenthal im aktuell vorliegenden Berichtsjahr 2021 die höchsten Einkünfte auf Gemeindeebene auf. Am unteren Ende der Skala rangieren Städte des Ruhrgebiets: Im Jahr 2021 sind dies Herne, Duisburg und Gelsenkirchen an viert- bis vorletzter Position. Das geringste Durchschnittseinkommen je Steuerpflichtigen hat die Gemeinde Weeze im Kreis Kleve.
Auch beim Blick auf die Größenklassen des Einkommens, z. B. die räumliche Verteilung der Einkommensmillionäre nach Kreisen und kreisfreien Städten, werden die Unterschiede deutlich (siehe Pressemitteilung vom 30.05.2025).
In der folgenden Betrachtung bildet nicht das arithmetische Mittel (Gesamteinkünfte geteilt durch die Zahl der Steuerpflichtigen) die Grundlage. Die Angaben in den nachfolgenden Karten beziehen sich auf den Medianwert. Der Median steht in der „Mitte“ aller Einkommen vom niedrigsten bis höchsten Wert aufgereiht, sodass genau 50% der Steuerpflichtigen jeweils über höhere beziehungsweise niedrigere Einkünfte verfügen. Der Vorteil ist die Robustheit gegenüber extrem hohen Einzelwerten (Ausreißern), die sonst besonders starken Einfluss auf das Mittelwertergebnis bekommen würden.
Der Medianwert der Einkünfte in Euro weist in der Regel ein tieferes Niveau auf, als man es von den bisherigen Angaben zum Durchschnittseinkommen kennt. Die Vergleichbarkeit sowie die Erkenntnisse zur mittleren Einkommenssituation sind bei extremen Einkommenswerten jedoch beim Medianeinkommen aussagekräftiger als beim Durchschnittseinkommen. Dieser Medianwert beträgt für ganz Nordrhein-Westfalen 35.731 Euro.
Doch wie sieht es innerhalb der Städte und Stadtbezirke aus? Eine georeferenzierte Auswertung bietet nun einen granularen Blick in die Regionen Nordrhein-Westfalens mit seinen vielen großen Städten und Gemeinden. Beispielhaft ist in diesem Artikel der Blick auf das Ruhrgebiet, die Flussstädte Köln und Wuppertal, die Gegend rund um die Landeshauptstadt Düsseldorf und auf die Regionen Ostwestfalen-Lippe und das Münsterland gerichtet. Das Medianeinkommen wird darin in 5.000-Euro-Schritten farblich dargestellt; die Kategorien reichen von unter 30.000 Euro bis 50.000 Euro und mehr.
Nord-Süd-Gefälle im Ruhrgebiet
Ist das Ruhrgebiet ärmer als der Rest des Landes?
Das Ruhrgebiet ist der größte Ballungsraum in NRW. Einzelne Städte fallen durch ihr niedriges Einkommensniveau auf. Doch ist die gesamte Region als „arm“ im Vergleich zum Rest des Landes anzusehen?
Das Einkommen innerhalb der Städte des Ruhrgebiets zeigt ein deutliches Süd-Nord-Gefälle. Dabei ist die gesamte Einkommensskala der Karte vertreten – mit Gesamtbeträgen der Einkünfte von unter 30.000 Euro bis über 50.000 Euro je Steuerpflichtigen.
Niedrige Medianeinkommen finden sich weiträumig im Norden der Kernstädte. Hier waren die Themen Strukturwandel und Ablösung vom Bergbau in jüngerer Vergangenheit noch stärker präsent als in den südlichen Stadtteilen. Die Innenstadtbereiche der nördlichen Ruhrgebietsstädte wie Gelsenkirchen, Oberhausen, Herne oder Bottrop verzeichnen mittlere Einkommen von unter 30.000 Euro je Steuerpflichtigen, das ist im NRW-Vergleich der niedrigste Bereich. Gleiches gilt auch für die nördlichen Bereiche von Duisburg, Bochum, Dortmund, Essen und Mülheim an der Ruhr.
In Essen und Mülheim an der Ruhr bildet der Verlauf der Autobahn A40 eine besonders markante Trennlinie. Südlich davon steigen die Medianeinkommen sichtbar an. Stadtviertel am südlichen Rand von Dortmund, Bochum, Essen oder Mülheim an der Ruhr weisen zum Teil Einkünfte von mehr als 50.000 Euro im Mittel auf, was dem höchsten Niveau des Landes entspricht. Dieses Band hoher Einkünfte über mehrere Städte hinweg widerspricht einer pauschalen Einordnung des Ruhrgebiets als „arm“. Mit Blick auf die kleinräumige Einkommenssituation prägt sich besonders das Gefälle zwischen niedrigen und hohen Einkünften zwischen Nord und Süd auch innerhalb der Gemeinden ein.
Einkommensunterschiede in Köln und Wuppertal
Entscheidet die Lage zum Fluss innerhalb von Köln und Wuppertal?
Kleinräumige Einkommensunterschiede zeigen sich auch in Köln und Wuppertal, diese lassen sich in Teilen entlang der Flüsse festmachen. Auf linksrheinischer Seite Kölns, besonders in zwei größeren Gegenden im Westen sowie im Südwesten, gibt es mittlere Einkünfte von mehr als 45.000 Euro oder sogar mehr als 50.000 Euro je Steuerpflichtigen. Im Rest der größten Stadt des Landes sind nur wenige kleinere Areale im Bereich der Innenstadt, im Norden und am Ostrand des Stadtgebiets mit höheren Einkommen erkennbar. Dagegen ist auf rechtsrheinischer Seite allgemein ein niedrigeres Einkommensniveau sichtbar. Deutlich wird es besonders in Gegenden südöstlich der Innenstadt sowie in der Nähe des Flughafens mit Einkommen im Median von unter 30.000 Euro.
Das Stadtgebiet von Wuppertal ist historisch auf den groben Ost-West-Verlauf der Wupper ausgerichtet. Diese Tallage entlang des Flusses sowie die innenstadtnah etwa parallel verlaufende Autobahn A46 spiegeln sich auch in der städtischen Einkommensverteilung wider. Klar erkennbar sind die Unterschiede zwischen Medianeinkommen im Tal von zumeist unter 30.000 Euro einerseits. Andererseits sieht man in Gebieten mit Höhenlage deutlich höhere mittlere Einkommensniveaus von über 40.000 Euro, teilweise über 45.000 Euro, im nördlichen und südlichen Stadtgebiet.
Region Düsseldorf
Wohlstand in und um Düsseldorf?
Wie sieht es nun in der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens aus? Düsseldorf ist aus Veröffentlichungen der Lohn- und Einkommensteuerstatistik der letzten Jahre bekannt als Stadt mit dem höchsten Einkommensniveau unter den Großstädten Nordrhein-Westfalens. Innerhalb des Stadtgebiets finden sich mehrere Areale mit besonders hohen Einkünften von über 50.000 Euro im Median. Diese liegen in westlichen, linksrheinischen und nördlichen Stadtteilen, innenstadtnah nördlich der Altstadt sowie auch am östlichen Stadtrand. Die Südhälfte ist dagegen eher geprägt von niedrigen und mittleren Einkommen.
Nordwestlich der Stadt schließt sich das Stadtgebiet von Meerbusch an. Als Standort mit den höchsten Einkommen in NRW ist hier fast im gesamten Stadtgebiet ein Niveau oberhalb von 40.000 Euro, oft sogar oberhalb von 50.000 Euro, sichtbar.
Differenzierter zeigt sich die Verteilung im Stadtgebiet von Neuss. Gebiete im Norden mit niedrigeren Einkünften unter 35.000, teilweise sogar unter 30.000 Euro, stehen solchen mit mittleren Einkünften zwischen 35.000 und 45.000 Euro im zentralen und südlichen Bereich gegenüber. Ein höheres mittleres Einkommensniveau, in der Spitze über 50.000 Euro, wird in einem kleineren Areal südöstlich an der Grenze zu Düsseldorf erzielt.
Das differenzierte Bild setzt sich im Kreis Mettmann östlich von Düsseldorf fort. Gebiete mit höheren Einkünften über 40.000 Euro findet man in Teilen von Ratingen, Langenfeld und Haan. Neben einem mittleren Einkommensniveau in großen Teilen des Kreisgebietes fallen der Westen von Velbert sowie große Teile von Wülfrath durch ein vergleichsweise niedrigeres mittleres Niveau an Einkünften auf.
Damit zeigt sich auch hier in der nach Quadratkilometern gerasterten Karte ein differenzierteres Bild. Die Region in und um Düsseldorf umfasst hier den Rhein-Kreis Neuss, den Kreis Mettmann und die Stadt Düsseldorf. Diese Region zeigt nicht ausschließlich Gebiete mit hohen mittleren Einkünften. Räumlich nicht weit voneinander entfernt bilden sich Gegensätze ab, teilweise am oberen und unteren Ende der Einkommensskala.
Ostwestfalen-Lippe und Münsterland
Gleichheit in Ostwestfalen-Lippe und im Münsterland?
Kann man diese Gegensätze von hohen und niedrigen Einkünften nur in der Region von Rhein und Ruhr betrachten? Ist der westfälische Raum in dieser Frage homogener?
In Ostwestfalen-Lippe fallen im Ballungsraum um Bielefeld stärkere Einkommensdifferenzen auf. Im Zentrum, Nordosten sowie im Süden des Stadtgebiets finden sich Gegenden mit niedrigem Einkommensniveau von unter 30.000 Euro. Dementgegen gibt es Areale im Westen von Bielefeld mit mittleren Einkommen von 40.000 Euro und darüber. Räumlich anschließend gilt dies auch für Gebiete im Norden von Gütersloh sowie in Teilen von Steinhagen und Harsewinkel. Auch in Richtung Osten lässt sich ein gewisses Band mit höheren Medianeinkommen über die Stadt Detmold hinweg bis hin zu Horn-Bad Meinberg beobachten.
Im Münsterland fallen mehrere räumlich begrenzte Areale mit Spitzeneinkommen von über 50.000 Euro auf. Dies gilt für das Stadtgebiet von Münster und vor allem für benachbarte kleinere Städte und Gemeinden wie Altenberge, Drensteinfurt und Havixbeck. Demgegenüber überwiegt in der Region in weiten Teilen ein mittleres Einkommensniveau relativ zum Land NRW. Auch in weniger dicht besiedelten Gebieten scheinen sich die Steuerpflichtigen nach dem Niveau ihrer Einkünfte örtlich zu separieren.
Fazit
Zusammenfassung
Der Artikel zeigt beispielhaft für verschiedene Städte und Regionen die Verteilung von hohen und niedrigen Einkünften vor Ort auf. Dabei wurde mehrfach ein Gefälle der mittleren Einkommen, teilweise auf engem Raum, sichtbar. Ableitungen daraus lassen sich nun erstmals nicht allein auf Ebene der Städte und Gemeinden, sondern deutlich kleinteiliger ziehen.
Die beleuchteten regionalen Einkommensverteilungen sind nur Beispiele für die Nutzung der Kartenanwendung. Es besteht die Möglichkeit, sich im eigenen Heimatort oder einem anderen Gebiet von NRW deutlich detaillierter die Verteilung von hohen und niedrigen mittleren Einkünften anzuschauen.
Schon nach kurzer Betrachtung fallen Strukturen innerhalb von Städten und Gemeinden auf, die zum Teil einen lokalgeographischen oder historischen Bezug haben. Die Kombination von Steuerstatistik und Geodaten eröffnet neue Perspektiven für die Analyse sozialer und regionaler Ungleichheit. Die Kartenanwendung liefert einen ersten Einblick darin, welches Potenzial in der kleinräumigen Betrachtung solcher Daten liegt.
Hinweise und Erläuterungen
Datengrundlage und Methode
Die Lohn- und Einkommensteuerstatistik bietet Informationen zum Einkommen und vielen weiteren Merkmalen auf Basis der Daten aus der Finanzverwaltung zu allen Steuerpflichtigen. Für Nordrhein-Westfalen bildet diese Grundgesamtheit etwa 9 Millionen Steuerpflichtige ab. Ein Steuerpflichtiger kann eine Einzelperson oder ein zusammen veranlagtes Paar sein. Da für Einkommensteuererklärungen Veranlagungszeiträume von bis zu drei Jahren bestehen, kann hier 2021 als aktuellstes Berichtsjahr abgebildet werden.
Zentrales Einkommensmerkmal im Rahmen dieser Betrachtung ist der „Gesamtbetrag der Einkünfte“ aus der Lohn- und Einkommensteuerstatistik. Diese Position ist ein zentrales Einkommensmaß der steuerlichen Veranlagung und eher eine Art Bruttoposition, da Steuern und Sozialabgaben noch nicht abgezogen sind. Es ist allerdings nicht genau mit einem allgemeinen Verständnis von „Bruttoeinkommen“ vergleichbar. Im Unterschied zum klassischen „Bruttoeinkommen“ sind beim „Gesamtbetrag der Einkünfte“ Positionen wie Werbungskosten/Betriebsausgaben oder auch Entlastungsbeträge bereits abgezogen.
Nicht abgebildet werden kann innerhalb der Steuerstatistik nach derzeitiger gesetzlicher Grundlage das Vermögen. Allein aufgrund der hier präsentierten Ergebnisse lässt sich damit kein abschließendes Urteil über soziale Ungleichheit schließen. Die Ergebnisse können lediglich die Ungleichheit innerhalb des steuerpflichtigen Einkommens sichtbar machen. So muss an diesem Punkt die grobe Annahme, dass Einkommen und Vermögen sich nicht sehr divergent räumlich verteilen, genügen. Im Rahmen der amtlichen Statistik wird in der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) unter anderem die Vermögenssituation der Befragten beleuchtet. Diese mit einer möglichst kleinräumigen regionalen Betrachtung zu verknüpfen, ist ein interessanter Ansatz für die Zukunft.
In der vorliegenden Betrachtung wurden die Daten zu den Steuerpflichtigen georeferenziert. Das bedeutet, eine Adresskoordinate kann hier mit den Einkommensinformationen versehen werden. Für die Darstellung der geographischen Position wurde ein 1x1-Kilometer-Raster als kleinste räumliche Einheit gewählt. Die Anforderungen zur statistischen Geheimhaltung schränken die Darstellung georeferenzierter Daten in Rasterzellen jedoch ein. Dem wurde mit der bei IT.NRW weiterentwickelten Methode der Kerndichteschätzung begegnet. Dadurch kann darauf verzichtet werden, einzelne Rasterzellen sperren zu müssen. Die mittels dieser Methode veränderten Daten geben dennoch nah am Ergebnis die regionale Verteilung wieder.
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