Wie viele Unternehmen in NRW nutzen künstliche Intelligenz (KI) bereits? Zeigen sich Unterschiede zwischen großen und kleinen Betrieben? Und wie steht NRW im europäischen Vergleich dar? Antworten auf diese Fragen liefert der folgende Artikel.
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Die Ergebnisse stammen aus der freiwilligen IKTU-Erhebung der Europäischen Union. Je mehr Unternehmen an der Befragung teilnehmen, umso verlässlicher sind die Ergebnisse zur digitalen Entwicklung in NRW.
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In welchem Umfang wird KI genutzt?
Große Unternehmen nutzen künstliche Intelligenz häufiger
Im Jahr 2024 nutzten 19,6 % der befragten Unternehmen in NRW bereits KI-Technologie. Vor allem in großen Unternehmen wurde künstliche Intelligenz eingesetzt. Der Anteil betrug hier 47,2 %.
In kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) war die Technologie weniger weit verbreitet. Insbesondere bei kleinen Anbietern nutzten nur 16,8 % und damit nur jeder sechste Betrieb eine der in der Erhebung genannten KI-Technologien. Bei mittelgroßen Unternehmen ab 50 Beschäftigten lag der Anteil hingegen bereits bei 27,4 %.
Im Vergleich zum Vorjahr sind die Anteile rasant gestiegen
Besonders bei mittleren Unternehmen in NRW hat KI an Bedeutung gewonnen. Im Unterschied zu 2023 hat sich der Anteil bei mittleren Unternehmen 2024 nahezu verdoppelt. Insgesamt antworteten noch im Jahr 2023 nur 12,3 % aller Unternehmen in NRW, dass sie KI einsetzen. In nur einem Jahr stieg der Anteil bei allen Unternehmen um 7,3 Prozentpunkte auf 19,6 %.
Tabellarische Daten der Grafik
| Größenklasse | 2023 | 2024 | Veränderung zum Vorjahr (in %-Punkten) |
| Insgesamt | 12,3 | 19,6 | 7,3 |
| große Unternehmen | 36,2 | 47,2 | 11,0 |
| KMU* | 11,5 | 18,6 | 7,1 |
| davon: | |||
| mittlere Unternehmen | 15,5 | 27,4 | 11,9 |
| kleine Unternehmen | (10,7) | (16,8) | 6,1 |
*) KMU = kleine und mittlere Unternehmen, Werte in Klammern sind nur eingeschränkt aussagekräftig.
Technologienahe Dienstleister führend
Im Dienstleistungssektor war die KI-Nutzung in NRW ausgeprägter: Während im Produzierenden Gewerbe nur ca. 12,8 % der Unternehmen KI nutzten, waren es in den Dienstleistungsbranchen bereits 23 %.
Innerhalb der Bereiche ist die Entwicklung in den Wirtschaftszweigen sehr unterschiedlich. Insbesondere im Wirtschaftszweig „Information und Kommunikation“ kam die Technologie bereits in jedem zweiten Unternehmen in NRW zum Einsatz (55,4 %).
*) Der dargestellte Wert ist nur eingeschränkt aussagekräftig. Siehe auch den methodischen Anhang.
Wie wird KI in den Unternehmen verwendet?
Am häufigsten wird Text und Sprache verarbeitet
Im Jahr 2024 nutzte mit 51,4 % rund die Hälfte der Unternehmen in NRW vor allem sogenanntes Text Mining. Beim Text Mining werden geschriebene Informationen KI-gestützt ausgewertet und verarbeitet. Ähnlich häufig wurde KI für die Erkennung von gesprochener Sprache genutzt. Weitere Einsatzbereiche für KI waren (geschriebene) Spracherzeugung, maschinelles Lernen und Roboterautomatisierung.
(Mehr Informationen zu den erfragten Technologien finden Sie im methodischen Anhang.)
*) Der dargestellte Wert ist nur eingeschränkt aussagekräftig. Siehe auch den methodischen Anhang.
KI findet sich in allen Bereichen der Unternehmen wieder
Die eingesetzten KI-Technologien wurden – tendenziell – vor allem im Marketing verwendet. Knapp ein Drittel der Unternehmen setzte im Jahr 2024 KI für diese Ziele ein. Ein klarer Schwerpunkt zeichnet sich allerdings nicht ab. Vielmehr findet sich KI in allen Unternehmensbereichen in vergleichbarem Umfang wieder. Auch in den Abteilungen für Produktion, Prozessorganisation und IT-Sicherheit werden KI-Technologien ähnlich intensiv genutzt.
KI-Nutzung im europäischen Vergleich
NRW über dem EU-Durchschnitt
Der Nutzungsgrad von KI ist in NRW sehr ähnlich wie im bundesweiten Durchschnitt auch. Im Jahr 2024 nutzten 19,8 % aller Unternehmen in Deutschland (einschließlich NRW) mindestens eine KI-Technologie. Im europäischen Vergleich war KI in NRW im Jahr 2024 deutlich häufiger im Einsatz als im Durchschnitt der EU. Zum Vergleich: Für die Europäische Union wurde ein Durchschnitt von 13,5 % ermittelt. Es zeigt sich auch, dass zwischen 2023 und 2024 in Deutschland und Europa deutlich mehr Unternehmen aktiv KI einsetzen. So erhöhte sich der EU-Durchschnitt bei der KI-Nutzung von 8,1 % aller EU-Unternehmen um 5,4 Prozentpunkte. In Deutschland stieg der Nutzungsgrad sogar um 8,2 Prozentpunkte. Die Entwicklung in NRW ist weitgehend dieselbe wie im bundesweiten Durchschnitt.
KI-Verbreitung in NRW ähnlich hoch wie in Österreich und in Norwegen
Wenn NRW ein Staat wäre, dann läge NRW 2024 bei der KI-Nutzung auf dem 11. Platz in der EU. Unter den 32 in der Statistik verfügbaren Ländern waren KI-Technologien in NRW sehr ähnlich verbreitet wie in Österreich (20,3 %) oder Norwegen (20,8 %). Zudem verwendeten die NRW-Unternehmen zwar häufiger KI-Technologie als in großen europäischen Staaten wie Frankreich mit 9,9 % oder Italien mit 8,2 %. Noch häufiger jedoch war KI in allen Benelux-Ländern und in ganz Skandinavien im Einsatz.
Zentrum der KI-Nutzung in Nordeuropa
Es zeigt sich ein deutlicher KI-Cluster in Europa. Er hat seinen Schwerpunkt in Nordeuropa und zieht sich über die Benelux-Länder und Deutschland nach Süden bis Slowenien. Alle anderen Länder – mit kleinen regionalen Ausnahmen – hatten 2024 klar niedrigere Verbreitungsgrade beim Einsatz von KI.
Planung zum KI-Einsatz
Potential der KI-Nutzung nimmt deutlich zu
Im Jahr 2024 wurde bei 15,5 % aller Unternehmen in NRW zwar noch keine KI genutzt, in diesen Unternehmen fanden aber bereits Planungen oder Vorbereitungen für einen KI-Einsatz statt. Hätten alle diese Unternehmen ihre Pläne bereits umgesetzt, so wäre 2024 der Verbreitungsgrad von KI in NRW etwa doppelt so hoch gewesen.
Vor allem große Unternehmen bereiten KI-Einsatz vor
Das Thema stand überwiegend bei den großen Unternehmen im Fokus. Doch auch bei den mittleren Unternehmen ist ein stark steigendes Interesse zu beobachten. Der Anteil der mittelgroßen Unternehmen mit geplanter KI-Nutzung hat sich von rund 11,4 % im Jahr 2023 auf zuletzt 23,0 % verdoppelt.
Hindernisse beim Einsatz von KI
Am häufigsten fehlte das Know-how in den Unternehmen
In der Erhebung wurde auch nachgefragt, warum die Pläne zur KI-Nutzung noch nicht realisiert wurden. Von den betroffenen Unternehmen wurden verschiedene Probleme benannt: Mehr als zwei Drittel der Unternehmen zögerten aufgrund fehlender Kenntnisse zum Einsatz von künstlicher Intelligenz. Bei mehr als der Hälfte standen auch Bedenken zur Rechtssicherheit und zu den Datenschutzanforderungen im Wege. Darüber hinaus traten häufig Probleme mit Datenhaltung und Software-Konflikten auf.
*) Die angegebenen Werte sind nur eingeschränkt aussagekräftig.
Methodischer Anhang
Hinweise
Methode
Die Ergebnisse stammen aus einer freiwilligen Erhebung. Basis ist eine repräsentative Stichprobe aller Unternehmen in Nordrhein-Westfalen. Berechnet wurden die Anteile positiver Antworten an der Gesamtzahl aller Unternehmen, wenn nicht anders benannt. Anteilswerte mit einem Standardfehler zwischen 10% und maximal 15 % werden in Klammern dargestellt. Werte mit höheren Standardfehlern werden nicht publiziert.
Regionale Vergleichbarkeit
Alle Ergebnisse sind direkt mit den Ergebnissen von Eurostat vergleichbar. Ergebnisse zu Deutschland stammen von Eurostat. Die deutschen Anteile gelten einschließlich NRW. Ergebnisse für die gesamte EU umfassen die 27 Mitglieds-Staaten zum Stand 2020 (nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs). Zusätzliche Länderangaben sind in der IKTU-Statistik verfügbar für die Beitrittskandidaten Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Norwegen, Serbien und Türkei.
Einbezogene Unternehmen
Einbezogen sind Unternehmen ab einer Größe von 10 Beschäftigten.
Verfügbare Größenklassen nach Beschäftigtenzahl:
- 10 – 49: Kleine Unternehmen
- 50 – 249: Mittlere Unternehmen
- ab 250: Große Unternehmen
Definition von KI
Künstliche Intelligenz
In dieser Erhebung sind unter künstlicher Intelligenz alle Technologien zu verstehen, die mithilfe von Daten eine Prognose oder eine Bewertung für bestimmte Aktionen durchführen. Diese Technologien werden systematisch in Prozessen genutzt, entweder als eigenes Software-Tool oder als Feature in Geräten. Nicht erfasst sind Fälle, in denen Unternehmen zwar KI-Produkte herstellen, die enthaltene KI aber nicht selbst verwenden. In dieser Auswertung werden folgende ausgewählte Technologien erfragt:
• Text Mining:
Unstrukturierte Textinformationen werden strukturiert und in einer verständlichen Form dargestellt. Häufig dient Text Mining auch als Unterstützung für die Erkennung von (geschriebenen) natürlichen Texten. Mit natürlicher Texterkennung wird zum Beispiel Social Media gesteuert, es werden Wirtschaftsinformationen analysiert oder Wissensarchive erschlossen. Auch in der Cyber Security oder dem zielgerichteten Marketing ist (schriftliche) Spracherkennung von Nutzen.
• Natürliche Spracherkennung:
Gesprochene Sprache wird erkannt und in ein maschinenlesbares Format umgewandelt. Mit dieser Technologie lassen sich Geräte steuern oder Sprachen übersetzen.
• Erzeugung natürlicher Sprache:
Diese Technologien erzeugen (geschriebene) natürliche Sprache. Bekannt sind hier zum Beispiel Chat-Bots. Doch auch längere Artikel, Handbücher oder Nachrichten können so produziert werden. Darüber hinaus können natürliche Texte mit Text-to-Speech als gesprochene Sprache wiedergegeben werden.
• Bild-Erkennung:
Diese Technologien erkennen den inhaltlichen Zusammenhang von Bildern oder Videoaufnahmen. Solche Anwendungen finden sich bei der Objektverfolgung oder Personen-Identifizierung. Ebenso lassen sich Produkte prüfen und montieren, Prozesse mit BAR-Codes beobachten oder Fahrzeuge autonom steuern.
• Maschinelles Lernen:
Diese Technologien optimieren ihre Programmierung, wenn sie Daten verarbeiten. Bekannt sind zum Beispiel die Beratungs-Tools im Online-Handel oder bei Streaming-Dienstleistern. Ebenso lassen sich Preise dynamisch steuern oder die Reaktionen auf veränderliche Cyber-Angriffe beschleunigen.
• Roboterprozessoptimierung:
Mit diesen Technologien werden Software-Bots oder physische Roboter gesteuert. Besonders wirksam ist diese Technik bei repetitiven Prozessen und Aufgaben. Zwar werden Prozesse schon seit langem optimiert, auch ohne KI. Die KI-Technologien sind allerdings deutlich leistungsfähiger und können komplexere Aufgaben bewältigen.
• Bewegung von Maschinen:
Die autonome Bewegung von Maschinen ist die Kombination von physischen Geräten - beziehungsweise Fahrzeugen - mit Sensorik und KI-Software. Die Software erkennt die Umgebung, bewertet diese und optimiert mit maschinellen Lernprozessen die Steuerung der Geräte. Hiermit sind nicht nur Fahrzeuge gemeint, sondern auch zum Beispiel Service-Roboter oder autonome Drohnen.
Quelle
Die Auswertung „Künstliche Intelligenz“ ist Teil der Fachstatistik IKTU.
• Datengebot bei IT.NRW: IT-Nutzung in Unternehmen
• Datenbank Eurostat: Erhebung von Informations- und Kommunikationstechnologien in Unternehmen
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