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Amtliche Statistik für Nordrhein-Westfalen

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Barrierefreiheit
 

Kleinräumige Erreichbarkeiten der Nahversorgung

Wie schnell erreichen die Menschen Geschäfte des täglichen Bedarfs, Hausarztpraxen und Haltestellen?

Ziel des Projekts


Die Erreichbarkeit von Nahversorgungseinrichtung wie z. B. Supermärkten, Ärzten oder Haltestellen ist ein wichtiges Maß, um die gesellschaftlichen Teilhabemöglichkeiten der Bevölkerung zu beurteilen. Regionale und lokale Unterschiede in den Erreichbarkeiten können auf Defizite in der Versorgung beim alltäglichen Leben hinweisen. Anders ausgedrückt bedeuten sie mindestens, dass die Bevölkerung vor Ort längere Wege in Kauf nehmen muss, bzw. auf einen Pkw angewiesen ist. Häufig werden Erreichbarkeiten auch als Grad der Lebensqualität in einer Region herangezogen.


Für diese Analyse wurden die Standorte zu Nahversorgungseinrichtungen durch sogenanntes Webscraping (scraping, in Deutsch „kratzen“ im Sinne von „zusammenkratzen“) gesammelt. Webscraping ermöglicht es automatisiert große Datenmengen aus freizugänglichen Quellen aus dem Internet zu beziehen. Dadurch müssen keine eigenen Erhebungen durchgeführt werden und Unternehmen werden nicht durch zusätzliche Auskunftspflichten belastet. Der Nachteil ist, dass die Qualität der Quellen größtenteils unbekannt ist. Die gewonnen Daten müssen daher plausibilisiert und geprüft werden (siehe Abschnitt „Methodisches Vorgehen“).
 

Mithilfe von geografischen Informationssystemen (GIS) können die Erreichbarkeiten im Raum zu den gesammelten Standorten berechnet werden. Verknüpft man diese Informationen mit den kleinräumigen Daten aus dem Zensus, gewinnt man zusätzliche Einblicke in die Versorgung der Bevölkerung, z. B. nach Alter.

Ergebnisse


Im Vergleich der Flächenländer ist Nordrhein-Westfalen zwar überdurchschnittlich dicht besiedelt, aber es gibt auch hierzulande deutliche regionale Unterschiede in der Siedlungsstruktur. Selbst innerhalb der Kommunen kann es aufgrund der Topographie oder der räumlichen Verteilung der einzelnen Ortslagen zu größeren Unterschieden in den Erreichbarkeiten kommen. Die untenstehende Abbildung zeigt die mittlere Erreichbarkeit der Nahversorgungseinrichtungen nach Raumtyp (siehe BBSR). Alle Mittelwerte wurden als bevölkerungsgewichteter Median berechnet.


 

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* Eigene Berechnung auf Basis von Daten des BBSR (2024), Zensus (2022), aponet (01/2026), KVNO & KVWL (07/2026), MeinProspekt (01/2026) und des Open-Data-Portals des ÖPNV (02/2026).


Als klarer Trend ist zu erkennen, dass mit zunehmender Ländlichkeit der Kommune die Wegezeiten zu Fuß zunehmen. Bei Supermärkten und Discountern steigt die Distanz von 7,6 Minuten in überwiegend städtischen Kommunen bis auf 13,1 Minuten in überwiegend ländlichen Kommunen. Ähnliche Anstiege sind auch bei Apotheken und Hausarztpraxen zu beobachten. Die nächstgelegene Hausarztpraxis erreicht man in überwiegend städtischen Regionen in 7,9 Minuten in überwiegend ländlichen in 13,7 Minuten. 


Im Vergleich aller 396 Kommunen in NRW zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede: Im Mittel gelangt man in Düsseldorf und Köln am schnellsten (rund fünfeinhalb Minuten) zu Fuß zum nächsten Supermarkt oder Discounter. Am längsten dauert es dagegen in Blankenheim im Kreis Euskirchen mit mehr als einer Stunde Fußweg zum nächstgelegenen Lebensmitteleinzelhandel. Mit dem Pkw erreicht man den nächsten Supermarkt oder Discounter in überwiegend städtischen Kommunen im Mittel schon in rund einer Minute und auch einen Drogeriemarkt in zweieinhalb Minuten. Die mittlere Pkw-Fahrzeit in überwiegend ländlichen Kommunen beträgt zum nächsten Supermarkt fast eine Minute länger und knapp fünf Minuten länger zum nächsten Drogeriemarkt.


Die größten Diskrepanzen finden sich NRW-weit bei Drogerien. Insgesamt sind die Wegezeiten in allen Raumtypen länger im Vergleich zu den anderen Nahversorgungseinrichtungen. Auch zwischen den Raumtypen sind die Unterschiede deutlich ausgeprägter und in überwiegend ländlichen Kommunen mit über 80 Minuten zu Fuß im Mittel sehr hoch. Dies liegt vor allem daran, dass einzelne überwiegend ländliche Kommunen gar keinen Drogeriemarkt im Ort haben und durch umliegende Kommunen mitversorgt werden.

ÖPNV-Haltestellen sind insgesamt am besten erreichbar. Die Unterschiede zwischen den Raumtypen sind hier auch nicht sehr groß. Im Vergleich braucht man in überwiegend ländlichen Kommunen mit 3,4 Minuten nur rund 35 Sekunden länger als in überwiegend städtischen Kommunen. Es ist aber davon auszugehen, dass Haltestellen in überwiegend ländlichen Regionen seltener am Tag von einem Bus oder Zug bedient werden, als dies in städtischen Regionen der Fall ist. 
 


 

Unterschiede zwischen den Altersgruppen  


Durch die Verknüpfung mit den Daten des Zensus 2022 können zusätzlich Unterschiede zwischen Altersgruppen berechnet werden.
 

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* Eigene Berechnung auf Basis von Daten des Zensus (2022), aponet (01/2026), KVNO & KVWL (07/2026), MeinProspekt (01/2026) und des Open-Data-Portals des ÖPNV (02/2026).


Personen im Alter von 20 bis unter 40 Jahren haben landesweit im Mittel die kürzesten Wege: Zum nächsten Supermarkt oder Discounter laufen sie mit rund sieben Minuten rund eine Minute weniger als im Mittel über alle Altersgruppen. Insgesamt unterscheiden sich die restlichen Altersgruppen im Mittel kaum. In einzelnen Kommunen kann es jedoch große Abweichungen zwischen den Altersgruppen geben. In Blankheim brauchen die 20- bis unter 40-Jährigen rund eine halbe Stunde zu Fuß zur nächsten Hausarztpraxis. Die Hochbetagten (80 Jahre und älter) dagegen etwa eine Stunde. Im Gegensatz dazu sind in Altenbeken die hochbetagten Personen mit 11,5 Minuten im Mittel sogar eine halbe Minute schneller zu Fuß bei der Hausärztin oder beim Hausarzt als die 20- bis 40-Jährigen.


Die detaillierten kleinräumigen Analyseergebnisse für ganz NRW sind in unserer Kartenanwendung zu finden. In der Anwendung kann die Erreichbarkeit mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln (zu Fuß, mit dem Fahrrad, per ÖPNV und mit dem Pkw) zu den verschiedenen Nahversorgungseinrichtungen ausgewählt werden. Neben der kartografischen Darstellung der Erreichbarkeitszonen gibt es zu jeder Kommune eine Auswertung zu den Altersgruppen sowie einordnende Kennzahlen. 
 


Hier geht es zur Anwendung


 

 

Methodisches Vorgehen

 

Die Adressen der untersuchten Einrichtungen wurden mithilfe von Webscraping erfasst, anschließend manuell geprüft und bereinigt sowie mit dem amtlichen Adressenbestand des GeocoderPlus geokodiert. Trotz der Qualitätssicherung können vereinzelt geringe Lageabweichungen oder Fehler im Datensatz nicht vollständig ausgeschlossen werden. Zudem werden Einrichtungen, die in der Realität aktuell eröffnet oder geschlossen wurden, nur mit zeitlichem Verzug erfasst.


Die Grundlage der Erreichbarkeitsanalysen bildet das Straßennetz des OpenStreetMap-(OSM)-Projekts sowie frei verfügbare Mobilitätsdaten des OpenData-ÖPNV NRW. Mithilfe von Esri ArcGIS Pro und der Erweiterung Network Analyst wurde aus den OSM-Daten ein routingfähiges Netzwerkmodell erstellt. Auf dieser Basis wurden Erreichbarkeitszonen für verschiedene Einrichtungen und Verkehrsmittel (Fußverkehr, Fahrrad, ÖPNV und Pkw) berechnet.


Die Erreichbarkeiten wurden per GIS ohne Berücksichtigung der aktuellen Verkehrslage berechnet. Dem zugrunde liegenden OSM-basierten Verkehrsnetz sind lediglich Geschwindigkeiten hinterlegt; weitere Barrieren oder Hindernisse, die die Erreichbarkeit beeinflussen können, werden jedoch nicht berücksichtigt.

Da ausschließlich Einrichtungen innerhalb Nordrhein-Westfalens berücksichtigt wurden, können im Grenzbereich zu benachbarten Bundesländern und Staaten Einschränkungen bei der Darstellung der Erreichbarkeit auftreten. Grenznahe Einrichtungen außerhalb Nordrhein-Westfalens sind nicht in die Analyse eingeflossen.


Die ÖPNV-Analyse basiert auf den Verkehrsdaten von OpenData-ÖPNV NRW. Zur Sicherstellung einer vergleichbaren Datengrundlage wurden ausschließlich Haltestellen berücksichtigt, die an allen Wochentagen (Montag bis Sonntag) mindestens einmal bedient werden. Diese Haltestellen bilden die Grundlage der Analyse des öffentlichen Verkehrsnetzes.


Die räumlichen Auswertungen basieren auf den bewohnten 100 × 100 m-Gitterzellen des Zensus 2022. Die Auswertung der Altersklassen erfolgte ebenfalls auf Grundlage kleinräumigen Zensusdaten. Aufgrund der im Zensus angewendeten Geheimhaltungsverfahren können geringfügige Abweichungen gegenüber den Bevölkerungszahlen der Regionalstatistik auftreten.


Die Einteilung der Kommunen in die Raumtypen nach Besiedlungsgrad erfolgte nach der Klassifizierung des Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Die Bevölkerung in NRW verteilt sich auf die Klassen des Raumtyps wie folgt:
„überwiegend städtisch“ rund 84 %, „teilweise städtisch“ rund 12,5 %, „überwiegend ländlich“ rund 3,5 %;

Datengrundlage

•    „aponet.de – Das offizielle Gesundheitsportal der deutschen ApothekerInnen“, Herausgegeben von der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V., Stand 20.01.2026
•    Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein, Stand 08.07.2026
•    Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe, Stand 08.07.2026
•    „MeinProspekt.de Ein Portal der Bonial International GmbH“, Stand 07.01.2026
•    Open ÖPNV (GTFS-/Fahrplandaten der Verkehrsunternehmen bzw. Verbünde), Stand 23.02.2026
•    Open-Street-Map Straßennetz NRW 2026. Geofabrik GmbH, Karlsruhe, 2026
•    Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), Statistisches Landesamt, 2026
 

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