Im August 2026 feiern wir 80 Jahre Nordrhein-Westfalen. Die britische Militärregierung gründete das Bundesland im August 1946. Aus dem nördlichen Teil der preußischen Rheinprovinz mit den Regierungsbezirken Aachen, Düsseldorf und Köln sowie der preußischen Provinz Westfalen wurde das Land Nordrhein-Westfalen gebildet. Im Jahr darauf folgte noch Lippe und machte NRW als westlichstes Bundesland komplett. Aus diesem Anlass wirft IT.NRW als Statistisches Landesamt einen Blick zurück: Wie sah NRW vor 80 Jahren aus? Was hat sich im Land verändert?
Bevölkerung & Zusammenleben
Bevölkerung:
Im Jahr 1946 lebten in NRW 11,8 Millionen Menschen. Die Einwohnerzahl ist seitdem deutlich gestiegen: Ende 2025 lag sie bei knapp 18 Millionen und damit um 52,3 % höher als im Gründungsjahr.
Auch die Bevölkerungsstruktur hat sich gewandelt: Vor 80 Jahren war die weibliche Bevölkerung mit einem Anteil von 54,5 % noch deutlich stärker vertreten als dies Ende 2025 der Fall war mit 50,8 %. Der höhere Frauenanteil im Jahr 1946 ist in erster Linie auf die im Zweiten Weltkrieg gestorbenen Männer zurückzuführen.
Eheschließungen:
Eheschließungen haben in den letzten 80 Jahren an Bedeutung verloren: Während im Gründungsjahr NRWs etwa 97.000 Paare heirateten, gab es im Jahr 2025 rund 76.900 Trauungen, was einem Minus von 20,7 % entspricht. Noch größer fällt dieser Rückgang aus, wenn die Eheschließungen im Verhältnis zur Bevölkerungsentwicklung betrachtet werden. So kamen auf 1.000 Personen in NRW 1946 rechnerisch 8,4 Eheschließungen. Im Jahr 2025 lag dieses Verhältnis bei gerade einmal 4,3 – ein Rückgang um 48,8 %.
Sterbefälle:
Die jährlichen Sterbefälle haben sich seit der NRW-Gründung 1946 um 62,0 % erhöht. Starben im Jahr 1946 in NRW noch rund 135.000 Menschen, waren es 2025 rund 218.700. Gleichzeitig ist jedoch die Bevölkerung in NRW sehr stark gewachsen. Setzt man die Anzahl der Sterbefälle ins Verhältnis zur Bevölkerung, so fällt der Anstieg nicht so stark aus. Je 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner verstarben 1946 in NRW rein rechnerisch 11,8 Menschen, 2025 waren es 12,1. Das war eine Zunahme von 2,5 %. Die gestiegene Anzahl der Sterbefälle ist unter anderem auf die zunehmende Alterung der Bevölkerung in NRW und die damit einhergehende höhere Sterbewahrscheinlichkeit zurückzuführen.
Geburten:
Bei der Entwicklung der Geburten ist ein entgegengesetztes Bild wie bei den Sterbefällen zu beobachten. So wurden im NRW-Gründungsjahr 1946 hierzulande rund 178.600 Babys geboren. 2025 waren es dagegen nur knapp 148.000, ein Rückgang von 17,1 %. Noch deutlicher wird der Rückgang, wenn man die Geburten in Relation zur Bevölkerung setzt: So kamen 1946 rechnerisch 15,5 Kinder je 1.000 Personen in NRW zur Welt. 2025 waren es nur noch 8,2 je 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Dies ist ein Rückgang um 47,1 %.
Lebenserwartung:
Wie in allen Industrieländern hat sich die Lebenserwartung in NRW in den letzten Jahrzehnten deutlich erhöht. So hatten neugeborene Kinder in NRW 1946 eine durchschnittliche Lebenserwartung von 56,1 Jahren bei Jungen und 63,1 Jahren bei Mädchen. Dies spiegelt vor allem die mangelhafte Versorgungslage kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in NRW wider. Bei 2023 bis 2025 geborenen Jungen lag die Lebenserwartung dagegen bei 78,5 Jahren, bei Mädchen sogar bei 82,8 Jahren. Bei neugeborenen Jungen ist die Lebenserwartung damit seit der NRW-Gründung um mehr als 20 Jahre gestiegen.
Zusammenleben:
Auch das Zusammenleben zuhause hat sich in den vergangenen 80 Jahren in NRW gewandelt. Als ein Beispiel lässt sich der Anteil von Einpersonenhaushalten hervorheben: Machten Einpersonenhaushalte 1946 gerade einmal 14,1 % aller Haushalte aus, waren es 2025 bereits 40,7 %.
Spiegelbildlich ist im gleichen Zeitraum der Anteil der Haushalte gesunken, in denen mindestens vier Personen wohnten. War 1946 noch jeder dritte Haushalt ein Haushalt mit vier oder mehr Personen (32,8 %), waren es 2025 nur noch 13,7 %, also etwa jeder siebte NRW-Haushalt.
Bildung
Hochschulen:
Kurz nach der Gründung von Nordrhein-Westfalen waren im Wintersemester 1950/51 knapp 22.300 Studierende an den insgesamt 12 Hochschulen im Land eingeschrieben, davon waren 6 Universitäten. Pädagogische Hochschulen blieben in der Zählung unberücksichtigt.
Im Wintersemester 2025/26 gab es in NRW dagegen bereits 79 Hochschulen, wovon 18 den Status einer Universität hatten. Gleichzeitig gab es in NRW insgesamt rund 703.400 Studierende. Damit war die Studierendenzahl fast 32-mal so hoch wie im Wintersemester 1950/51.
Der Anteil weiblicher Studierender hat sich im gleichen Zeitraum mehr als verdoppelt. Waren im Wintersemester 1950/51 nur 18,6 % der Studierenden in NRW weiblich, waren es 75 Jahre später im Wintersemester 2025/26 nahezu die Hälfte (49,9 %).
Studierende in NRW im Wintersemester 1950/51 und 2025/26
Wirtschaft
Wochenarbeitszeit:
Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten ist von 1946 bis 2025 bei Männern gesunken und bei Frauen gestiegen. So arbeiteten vollzeitbeschäftigte Männer 1946 im Durchschnitt 42,0 Stunden pro Woche. Bei Frauen waren es dagegen 35,7 Stunden. Im Jahr 2025 arbeiteten vollzeitbeschäftigte Männer durchschnittlich 39,4 Stunden in der Woche und Frauen 38,5 Stunden.
Verdienste:
Die Bruttoverdienste1 in NRW sind seit der der Landesgründung im Jahr 1946 bei Frauen von umgerechnet 0,29 Euro pro Stunde auf durchschnittlich 26,05 Euro pro Stunde im Jahr 2025 gestiegen. Bei Männern lag der durchschnittliche Bruttostundenlohn 1946 umgerechnet bei 0,49 Euro und 2025 bei 29,20 Euro. Bei diesen Zahlen ist jedoch zu berücksichtigen, dass es sich dabei um die nicht inflationsbereinigten Nominallöhne handelt.
Arbeitslose:
Die Arbeitslosenquote in NRW erlebte in den vergangenen 80 Jahren immer wieder ein Auf und Ab. Nach Angaben der Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit hatte die Region des heutigen NRWs kurz vor seiner Gründung im Mai 1946 noch eine Arbeitslosenquote von 5,1 %. Im Mai 2026 lag die Quote dagegen bei 7,8 %. Am niedrigsten war die Arbeitslosigkeit Anfang der 1960er Jahre mit einer Quote von gerade einmal 0,5 %. Vergleichsweise hohe Arbeitslosigkeit verzeichnete NRW dagegen Anfang der 2000er Jahre. So lag die Arbeitslosenquote in NRW im Mai 2000 bei 9,8 %.
Landwirtschaft
Fläche und Betriebe:
Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ist in den vergangenen Jahrzehnten in NRW deutlich zurückgegangen. So gab es in NRW 1949 noch 272.400 landwirtschaftliche Betriebe, die eine Gesamtfläche von rund 1,9 Millionen Hektar bewirtschafteten. 2023 waren es in der NRW-Landwirtschaft dagegen nur noch 33.570 Betriebe bei einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von rund 1,5 Millionen Hektar. Die Zahl der Betriebe ist damit seit 1949 um 87,6 % zurückgegangen.
Bestand an Schweinen und Rindern:
Die Zahl der Schweine und Rinder ist in NRW seit 1950 gestiegen, insbesondere bei Schweinen. So gab es im Dezember 1950 in NRW fast 1 Million Rinder und knapp 1,3 Millionen Schweine. Im Mai 2026 waren es dagegen gut 1,2 Millionen Rinder und 5,9 Millionen Schweine. Bei den Schweinen beträgt die Zunahme demnach mehr als 350 %.
Fußnoten
1 1946 nur Arbeiterinnen und Arbeiter in der Industrie, 2025 alle Beschäftigten (inkl. Angestellte sowie Beamtinnen und Beamte) in der Gesamtwirtschaft.
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