Was machen die nordrhein-westfälischen Privathaushalte mit ihrem Geld? Fließt alles in den alltäglichen Konsum oder welche Ausgaben fallen noch an? Worin investieren die Haushalte in NRW?
Um diese Fragen zu beantworten, werden Daten aus der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) betrachtet. Die Befragung findet alle fünf Jahre statt - zuletzt 2023 - und ihre Ergebnisse geben unter anderem einen Überblick über die Einnahmen und Ausgaben der NRW-Haushalte und darüber, wie sie mit ihrem Vermögen umgehen.
Einkommen
Wie viel Geld steht den Haushalten in NRW zur Verfügung?
Das durchschnittliche monatliche Haushaltsnettoeinkommen lag 2023 bei 4.212 Euro. Betrachtet man die Verteilung des Einkommens, fallen jedoch große Unterschiede auf: Weniger als 1.500 Euro monatlich – das war für rund 15 % der Haushalte das monatliche Einkommen. Ein Einkommen von 1.500 bis unter 3.000 Euro hatten rund 29 % der Haushalte zur Verfügung.
21 % der Haushalte lagen in einem Bereich von 3.000 bis unter 4.500 Euro, rund 14 % von 4.500 bis unter 6.000 Euro. Über ein monatliches Haushaltsnettoeinkommen ab 6.000 Euro verfügten gut 21 % der Haushalte in NRW.
Konsumausgaben
Was ist der größte Posten bei den Konsumausgaben?
Im Jahr 2023 wendeten die privaten Haushalte in NRW durchschnittlich 3.040 Euro pro Monat für ihren privaten Konsum auf. Das entsprach 72 % des monatlichen Nettoeinkommens von 4.212 Euro.
Der größte Teil der Konsumausgaben entfiel mit rund 38 % auf den Bereich Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung. Dieser prägte damit die Ausgabenstruktur maßgeblich.
Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren sowie Verkehr stellten weitere zentrale Ausgabenbereiche dar.
Anlage des Geldvermögens
Wie wird investiert: Sparbuch oder Kryptowährung?
Durchschnittlich rund 28 % des monatlichen Haushaltsnettoeinkommens wendeten die Haushalte in NRW nicht für private Konsumausgaben auf. Einiges davon konnten sie sparen, investieren oder es entfiel auf andere Ausgaben wie z. B. Versicherungen oder das Bedienen von Krediten.
Klassische Sparformen verloren dabei an Bedeutung: Während 2013 noch 34 % der Haushalte in NRW ein Bausparguthaben hatten, waren es 2023 nur noch 24 %. Der Anteil der Haushalte mit Sparguthaben sank von 61 % im Jahr 2013 auf 42 % im Jahr 2023. Der Anteil der Haushalte mit Tagesgeldguthaben stieg hingegen leicht von 39 % auf 44 %. Klassische Sparformen gingen demnach zurück, die flexibleren Tagesgelder legten leicht zu.
Parallel zu diesem Rückgang traditioneller Sparformen zeigt sich beim Vergleich der Ergebnisse der EVS 2023 mit früheren Erhebungen eine deutliche Zunahme wachstumsorientierter Geldanlagen. Mehr Haushalte hielten Aktien: 2013 waren es noch 14 %, 2023 schon 21 %. Auch bei Investmentfonds gab es einen Anstieg von 18 % auf 24 %. Diese Entwicklung deutet auf eine zunehmende Risikobereitschaft hin.
Neu hinzugekommen sind Kryptowährungen, die 2023 erstmals mit einem Anteil von 5 % der Haushalte konkret erfasst wurden. Festverzinsliche Wertpapiere und Zertifikate verzeichneten dagegen nur geringe Zuwächse, was auf eine weiterhin geringe Nachfrage nach klassischen, aber wenig flexiblen Anlagemöglichkeiten hinweist.
Immobilienbesitz
Die Immobilie als Anlage – Wie hoch ist die Eigentümerquote in NRW?
Immer weniger Haushalte besaßen Immobilien. Die sogenannte Eigentümerquote ist von rund 46 % im Jahr 2013 auf etwa 45 % im Jahr 2018 und weiter auf 42 % im Jahr 2023 kontinuierlich gesunken.
Gleichzeitig wurden Immobilien immer wertvoller. Bei den Haushalten, die einen Immobilienwert in der Erhebung angegeben hatten, war ein deutlicher Anstieg des geschätzten Verkehrswerts zu beobachten. Dieser stieg von durchschnittlich etwa 242.700 Euro im Jahr 2013 auf rund 286.100 Euro im Jahr 2018 und lag zuletzt bei etwa 446.100 Euro.
Mit den gestiegenen Immobilienwerten gingen auch höhere Kreditsummen einher. In der Befragung wurde in diesem Zusammenhang nach der sogenannten Restschuld gefragt. Bei den Haushalten mit Immobilienbesitz, die hierzu Angaben gemacht haben, zeigte sich: Die Höhe der Restschuld je Haushalt stieg seit der letzten EVS-Erhebung im Schnitt um 39 % an von rund 121.400 Euro im Jahr 2018 auf circa 168.600 Euro im Jahr 2023.
Das heißt: Der geschätzte Wert der Immobilien stieg an, aber immer weniger Haushalte besaßen eine. Gleichzeitig nahmen auch die durchschnittlichen Schulden der Haushalte für den Immobilienerwerb zu.
Methodische Hinweise
Hinweise zur Erhebung & Datengrundlage
Die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) wird seit 1962/63 im Abstand von fünf Jahren durchgeführt und ist die größte freiwillige Haushaltserhebung in Deutschland sowie in Nordrhein-Westfalen.
An der EVS 2023 nahmen in Nordrhein-Westfalen rund 11.000 Haushalte teil, deren Angaben auf eine Grundgesamtheit von etwa 8,7 Millionen Haushalten hochgerechnet wurden. Grundlage für die Stichprobenziehung und den Hochrechnungsrahmen bildet der Mikrozensus als Repräsentativstatistik.
Einkommen in der EVS
Das Haushaltsnettoeinkommen umfasst die Summe der Nettoeinkommen aller Haushaltsmitglieder. In der EVS werden die Einkommensbestandteile (z. B. Arbeitsentgelt, Renten, Transferleistungen sowie Abzüge) anhand von Unterlagen wie Gehalts- oder Rentenabrechnungen möglichst detailliert erfasst und zum Haushaltsnettoeinkommen zusammengeführt.
Für die Vergleichbarkeit der Zeitreihen ist zu beachten, dass bis einschließlich zur EVS 2013 Haushalte mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von über 18.000 Euro nicht in die Auswertung einbezogen wurden. In der EVS 2018 wurde diese Regelung teilweise geöffnet, sodass auch Haushalte berücksichtigt werden konnten, die diese Grenze nur vorübergehend überschritten (z. B. aufgrund von Sonderzahlungen oder einmaligen Einnahmen). In der EVS 2023 entfiel die feste Grenze; Haushalte wurden unabhängig von der Höhe ihres Haushaltsnettoeinkommens entsprechend dem Stichprobenplan einbezogen. Aufgrund der geringen Fallzahlen in den höchsten Einkommensbereichen sind diese unterrepräsentiert und somit ist allgemein die Höhe der Vermögen untererfasst.
Haushalte
Die Ergebnisse der EVS werden haushaltsbezogen erhoben. Als Haushalt gilt dabei eine Person allein oder eine Gruppe von Personen, die gemeinsam wohnen und wirtschaften. Entscheidend ist also nicht nur das Zusammenleben, sondern auch das gemeinsame Haushalten – etwa beim Einkaufen oder der Nutzung von Einkommen.
Verkehrswert
Der Verkehrswert ist der von den auskunftgebenden Haushalten geschätzte aktuelle Marktwert einer Immobilie oder eines Grundstücks. Er entspricht dem Preis, der bei einer Veräußerung unter üblichen Marktbedingungen zum Erhebungszeitpunkt voraussichtlich erzielt werden könnte. Die Angabe beruht auf einer Selbsteinschätzung der Haushalte und nicht auf einer amtlichen Wertermittlung oder einem Verkehrswertgutachten.
Weitere Auswertungen sind auf der Seite der Landesdatenbank sowie im Webangebot von Statistik.NRW zu finden.
Bei Interesse können Haushalte ihre Konsumausgaben mit dem Bundesdurchschnitt vergleichen. Über das Konsumvergleichs-Tool des Statistischen Bundesamtes lassen sich zudem ähnliche Haushaltskonstellationen auswählen und mit den eigenen Ausgaben gegenüberstellen.
Bitte beachten Sie auch die Qualitätsberichte zu den jeweiligen Erhebungsjahren der EVS. Zudem können unterschiedliche SEA-Ausgaben (Systematisches Verzeichnis der Einnahmen und Ausgaben der privaten Haushalte) die Vergleichbarkeit einzelner Ergebnisse über die Zeit einschränken.
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