Statistik.NRW

Amtliche Statistik für Nordrhein-Westfalen

check_circle
Statistik wurde zur Merkliste hinzugefügt
Barrierefreiheit
Themenschwerpunkt

Wohin ziehen die Menschen innerhalb NRWs?

Trends und Entwicklungen in den Jahren 2010 bis 2024

© Andrey Popov - stock.adobe.com
Zwei Männer entladen einen Umzugswagen

NRW ist von Einwanderung geprägt. Viele Städte und Gemeinden in NRW würden ohne Zuzüge schrumpfen. Standen in den vergangenen Jahren zumeist die Zuzüge aus dem Ausland im Fokus, widmet sich dieser Artikel den Zu- und Fortzügen innerhalb NRWs (Landesbinnenwanderung), denn fast die Hälfte aller Zugezogenen auf Kreisebene kommt aus anderen Kreisen und kreisfreien Städten in NRW. 

 

In diesem Artikel wird aufgezeigt, wie sich die Zahl der Umzüge innerhalb NRWs seit 2010 entwickelt hat, welche Kreise und kreisfreien Städte durch die Landesbinnenwanderungen Einwohnerinnen und Einwohner dazugewinnen konnten und welche Bevölkerung verloren haben. Zudem wird aufgezeigt, welche Wanderungsverflechtungen es zwischen den ländlich, städtisch und großstädtisch geprägten Kreisen bzw. kreisfreien Städten gibt.   
 

Einleitung

Zwischen 2010 und 2024 sind in jedem Jahr durchschnittlich etwa 428.000 Menschen innerhalb NRWs von einem Kreis bzw. einer kreisfreien Stadt in einen anderen Kreis bzw. eine andere kreisfreie Stadt umgezogen. Dies waren jahresdurchschnittlich 2,4 % der Bevölkerung. Im Jahr 2024 hatten 443.000 Personen und damit etwa 2,5 % der Bevölkerung einen Wechsel des Hauptwohnsitzes innerhalb des Bundeslandes vorgenommen. Als Landesbinnenwanderung werden hier Umzüge innerhalb Nordrhein-Westfalens betrachtet, bei denen die Grenze eines Kreises bzw. einer kreisfreien Stadt überschritten wird. Unberücksichtigt bleiben Umzüge innerhalb eines Kreises zwischen den kreisangehörigen Gemeinden (Kreisbinnenwanderung) sowie Umzüge innerhalb einer Gemeinde.

 

Die Landesbinnenwanderung hat im Vergleich zu den Wanderungen mit größerer Reichweite, d. h. mit anderen Bundesländern sowie mit dem Ausland, ein relevantes Gewicht in der regionalen Bevölkerungsentwicklung. Im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2024 machte die Landesbinnenwanderung fast die Hälfte aller Zuzüge (49,3 %) und mehr als die Hälfte (54,3 %) aller Fortzüge in den Kreisen bzw. kreisfreien Städten aus.1  
 

Umzüge zwischen den Kreisen bzw. kreisfreien Städten wirken sich auf die Bevölkerungsgröße und Altersstruktur aus – dies sowohl in den Herkunfts- als auch in den Zielkreisen. Sie haben damit Einfluss auf die Zu- und Abnahme von Familien, von Arbeitskräften und Auszubildenden oder auch von Pflegebedürftigen in den nordrhein-westfälischen Kreisen und kreisfreien Städten.
 

Entwicklung der Landesbinnenwanderung in NRW seit 2010

Zuwanderung von Schutzsuchenden beeinflusst landesinterne Umzüge


Die Entwicklung der Zahl der Umzüge innerhalb NRWs steht in einem engen Zusammenhang mit Schutzsuchenden, die in der Vergangenheit in einzelnen Jahren in hoher Zahl aus dem Ausland nach NRW gekommen sind und sich dann zeitverzögert durch Umzüge weiter innerhalb des Landes verteilt haben. In der Zeitreihe seit 2010 ist ein Höhepunkt der Binnenwanderungen im Jahr 2015 erkennbar – die Zahl der Umzüge überschritt hier erstmalig die Schwelle von 500.000 und war auf den hohen Zuzug von Schutzsuchenden aus Syrien sowie auch aus dem Irak und Afghanistan zurückzuführen. 


Seitdem nahm die Umzugshäufigkeit innerhalb NRWs tendenziell wieder ab. Im Jahr 2020 sank die Zahl der Umzüge innerhalb des Landes nochmals deutlich auf knapp unter 400.000. Dies war maßgeblich auf Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie wie Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen sowie Einschränkungen im Reiseverkehr zurückzuführen. 2021 setzte zuerst eine Erholung ein, ab 2022 stieg die Zahl der Umzüge dann wieder deutlich an.
 

 

Anteil Nichtdeutscher an Umzügen in NRW steigt 2015 sowie 2023 und 2024 auf über ein Drittel


Eine differenzierte Betrachtung der Umzüge nach Nationalität erklärt das „Auf und Ab“ im Zeitverlauf genauer. In ausgewählten Jahren waren Anzahl und Gewicht der Nichtdeutschen an der Landesbinnenwanderung sprunghaft gestiegen: Während der Anteil der Nichtdeutschen an den landesinternen Umzügen im Jahr 2010 mit 51.157 Umzügen noch bei 14,0 % lag und in den Folgejahren leicht zulegte, stieg der Anteil im Jahr 2015 nochmals deutlich auf 33,4 % an. Damals wechselten 168.285 Nichtdeutsche innerhalb NRWs ihren Wohnort. In den Folgejahren bis zum Jahr 2021 sank die Zahl der Umzüge nichtdeutscher Personen auf durchschnittlich 108.000 jährlich. 


2022 stieg die Zahl der Umzüge nichtdeutscher Personen innerhalb NRWs wieder deutlich auf 143.894 an, und im Jahr 2023 wurde mit 177.452 Umzügen schließlich auch das Niveau aus 2015 übertroffen. Auch der Anteil der Nichtdeutschen an der Zahl der Binnenwanderungen insgesamt erreichte 2023 mit 37,8 % einen bisherigen Höchstwert. Diese Entwicklung war in erster Linie auf den hohen Zuzug von Ukrainerinnen und Ukrainern zurückzuführen, die vor dem Krieg in ihrer Heimat Schutz in Deutschland bzw. NRW suchten. Dieser Personenkreis zog nach seiner Erstankunft im Jahr 2022 und verstärkt 2023 innerhalb NRWs weiter um. 
 

 

Umzugsverhalten deutscher Staatsangehöriger relativ konstant


Wird die Zahl der Umziehenden eines Jahres auf die mittlere Bevölkerung bezogen (Wanderungsrate je 100 Einwohnerinnen und Einwohner), so zeigt sich je nach Nationalität eine unterschiedliche Wanderungsintensität: Von den Deutschen war im Zeitraum 2010 bis 2024 mit +/- 2,0 % ein nahezu konstanter Anteil jährlich über die Kreisgrenzen innerhalb des Landes umgezogen. Bei den Nichtdeutschen lag dieser Anteil im gleichen Zeitraum durchgehend höher und schwankt deutlich stärker. Auch hier stechen die o. g. Ausnahmejahre hervor: 2015 waren 8,5 % der nichtdeutschen Bevölkerung über die Kreisgrenzen innerhalb NRWs umgezogen, auch 2016 lag der entsprechende Anteil mit 6,3 % vergleichbar hoch. In den Folgejahren sank dieser Anteil wieder und betrug im Jahr 2020 nur noch 3,5 %. Erst 2023 erreichte der Anteil erneut ein höheres Niveau von 6,2 %.  
 

 

Landesbinnenwanderung nach Altersgruppen

Junge Erwachsene ziehen am häufigsten um


Je nach Altersgruppe und entsprechender Lebensphase sind Umzugsneigung bzw. Mobilitätsmuster der Menschen höchst unterschiedlich ausgeprägt. Wie auch bei Umzügen mit längerer Reichweite, d. h. in andere Bundesländer oder ins Ausland, wiesen jüngere Altersgruppen bei den Umzügen innerhalb NRWs generell die größte Aktivität auf. Ihre Wohnortwechsel stehen vermutlich in Verbindung mit dem Beginn einer Ausbildung, eines Studiums oder mit dem Arbeitsmarkteinstieg. 


Im Jahr 2024 wechselten 6,5 % der 18- bis unter 25-Jährigen und 7,3 % der 25- bis unter 30-Jährigen ihren Wohnort über die Kreisgrenzen innerhalb NRWs. Im Jahr 2010 war deren Wanderungsintensität mit 5,3 % bzw. 6,4 % noch etwas geringer ausgeprägt. Die Wanderungshäufigkeit der jungen Erwachsenen war zwar im Vergleich zu anderen Altersgruppen hoch, aber ihr Anteil an der Bevölkerung dagegen relativ klein (2024: 7,4 % bzw. 6,2 %) – die Höhe der Balken in der untenstehenden Abbildung visualisiert den Anteil der Personen in der entsprechenden Altersgruppe an der Gesamtbevölkerung.


In der großen Gruppe der 30- bis unter 50-Jährigen zogen im Jahr 2024 nur 3,1 % innerhalb NRWs in einen anderen Kreis bzw. eine andere kreisfreie Stadt (2010: 2,3 %). Bei Personen ab 50 Jahren ist dieser Anteil nochmal geringer: In den beiden dargestellten Altersgruppen 50 bis unter 65 Jahre sowie 65 Jahre und älter waren im Jahr 2024 nur jeweils unter 1 % der Personen über die Kreisgrenzen hinweg umgezogen. 


Zwischen den Geschlechtern unterscheidet sich die Wanderungsaktivität nur wenig. Lediglich bei den 18- bis unter 25-Jährigen zogen Frauen 2024 mit einem Anteil von 6,9 % etwas häufiger um als Männer mit 6,1 %. Demgegenüber wechselten 30- bis unter 50-jährige Männer etwas häufiger den Wohnort über die Kreisgrenze als gleichaltrige Frauen (3,6 % ggü. 2,7 %).
 

Binnenwanderung in Nordrhein-Westfalen 2010 und 2024 nach Altersgruppen*

Zu-/Fortzüge je 100 Personen der entsprechenden Altersgruppe und Bevölkerungsanteil in % 

 

* Zu- und Fortzüge über die Kreisgrenzen innerhalb Nordrhein-Westfalens

 

 

Zu- und Fortzüge zwischen (groß-)städtischen und ländlichen Regionen

Großstädte: vom (Wanderungs-)Gewinner zum Verlierer


In den vergangenen Jahren standen immer wieder die Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Räumen im Fokus wissenschaftlicher aber auch gesellschaftspolitischer Debatten. Um diese Entwicklung für NRW abzubilden, analysiert der folgende Abschnitt das Umzugsgeschehen zwischen verschiedenen Raumtypen. Da NRW im Vergleich zu anderen Flächenbundesländern allerdings sehr städtisch geprägt ist, wird nicht klassisch zwischen ländlich und städtisch unterschieden. So gibt es in NRW eine Reihe von Kreisen, die zwar ländliche Regionen haben, deren überwiegender Anteil der Bevölkerung aber städtisch lebt. Darüber hinaus sind in NRW alle kreisfreien Städte auch Großstädte (mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner). Im Folgenden wird zwischen drei Raumtypen unterschieden: 


1.    Großstädte (kreisfreie Städte)2  
2.    städtisch geprägte Kreise
3.    ländlich oder vorstädtisch geprägte Kreise  
(weitere Informationen hierzu finden Sie im Abschnitt "Datengrundlage und Methode")


In den Jahren 2010 bis 2015 hatten ländliche oder vorstädtische Kreise durchgängig Bevölkerung an die Großstädte in NRW verloren. Großstädte (kreisfreie Städte) hatten in diesem Zeitraum entsprechend durch Umzüge innerhalb NRWs Bevölkerung gewonnen, während dies für städtische Kreise erst seit 2014 der Fall war. 


Ab 2017 zeigten sich neue Entwicklungstrends: Ländlich oder vorstädtisch geprägte Kreise verzeichneten Wanderungsgewinne aus dem Rest NRWs, während die städtisch geprägten Kreise weiter von Zuzügen aus den Großstädten profitierten. Hingegen weisen die Großstädte seit 2017 im Trend wachsende Wanderungsverluste auf. 

 

 

Ländliche und (vor-)städtische Kreise gewinnen Bevölkerung aus Großstädten hinzu


Werden die Wanderungsverflechtungen innerhalb NRWs zwischen den drei Raumtypen betrachtet, zeigen sich für das Jahr 2024 die Umzüge aus den Großstädten in die städtischen Räume als zahlenmäßig bedeutendster Wanderungsstrom (88.289). An zweiter Stelle folgten Umzüge zwischen den Großstädten (83.078), während die Umzüge aus den städtischen Kreisen in die Großstädte (70.532) den dritten Platz einnahmen. 


Im Jahr 2010 war nicht nur die Zahl der Landesbinnenwanderung insgesamt geringer, auch der Schwerpunkt der Umzüge war etwas anders: Der größte Wanderungsstrom umfasste 70.999 Umzüge aus den Großstädten in die städtischen Kreise. In die entgegengesetzte Richtung – aus den städtischen Kreisen in die Großstädte – gab es mit 70.188 fast genauso viele Umzüge. Den drittgrößten Wanderungsstrom bildeten Umzüge von Großstadt zu Großstadt (69.322). 


Hier wird deutlich, dass die Umzüge innerhalb eines Raumtyps ein unterschiedliches Gewicht haben: Bei den Großstädten machten 2024 Zuzüge aus demselben Raumtyp 44,0 % an allen Zuzügen aus. Bei den städtischen Kreisen erfolgten dagegen nur 19,2 % der Zuzüge aus demselben Raumtyp. Hier kam der weitaus größte Anteil der Zuzüge mit 61,9 % aus den großstädtischen Räumen. In den ländlich oder vorstädtisch geprägten Kreisen fanden 28,7 % der Zuzüge innerhalb des Raumtyps statt, die Mehrheit zog mit 41,5 % auch hier aus den Großstädten (kreisfreien Städten) zu. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass insbesondere die eher städtisch geprägten und die eher ländlich oder vorstädtisch geprägten Kreise neue Einwohnerinnen und Einwohner durch die Landesbinnenwanderung dazugewonnen hatten.
 

 

 


 

Familien ziehen aus den Großstädten fort


In der Kombination von Raumtypen und Altersgruppen zeigt sich als großer Entwicklungstrend der Wegzug von Familien aus den Großstädten in die städtisch und die ländlich oder vorstädtisch geprägten Kreise. In dieser Betrachtung zählen die Minderjährigen sowie Menschen im mittleren Erwachsenenalter zur Gruppe der Familien: Im Jahr 2024 zogen im Saldo 10.647 unter 18-Jährige sowie 17.941 30- bis unter 50-Jährige aus den Großstädten in die städtischen und die vorstädtischen/ländlichen Kreise.


Nur bei den 18- bis unter 25-Jährigen konnten Großstädte Wanderungsgewinne in Höhe von +6.732 Personen verbuchen, die in erster Linie aus den städtischen Gebieten kamen. In dieser Altersgruppe ist der Umzug in eine Großstadt zur Aufnahme einer Ausbildung oder (Hoch-)Schulbildung wie zuvor bereits erwähnt das mutmaßlich wichtigste Motiv. 


In späteren Lebensphasen kehren viele – nicht nur die Familien – der Großstadt wieder den Rücken: Bei den 25- bis unter 30-Jährigen wiesen Großstädte 2024 im Saldo Wanderungsverluste auf (-1.673). Die jungen Erwachsenen zog es aus den Großstädten in städtische und vor allem in ländliche/vorstädtische Kreise. Auch in der Altersgruppe der ab 50-Jährigen zogen mehr Personen aus den Großstädten fort als dorthin. Ziel der Umziehenden waren in erste Linie die ländlich oder vorstädtisch geprägten Kreise, zu einem geringeren Anteil auch die städtischen Regionen. 
 

Binnenwanderung in Nordrhein-Westfalen 2024 nach Altersgruppen und Raumtypen*  – Wanderungssaldo

* Zu- und Fortzüge über die Kreisgrenzen innerhalb Nordrhein-Westfalens

Unterschiede in den Kreisen und kreisfreien Städten

Mehrheit der Kreise und kreisfreien Städte mit Bevölkerungsgewinnen durch Landesbinnenwanderung


Die Landesbinnenwanderung ist in den einzelnen Kreisen und kreisfreien Städten höchst unterschiedlich ausgeprägt und hat damit auch unterschiedliche Effekte auf die jeweilige Bevölkerungsentwicklung.


Über den gesamten Zeitraum von 2010 bis 2024 verzeichneten insgesamt 22 Kreise und kreisfreie Städte Bevölkerungsverluste infolge der Landesbinnenwanderung. Demgegenüber standen 31 Kreise und kreisfreie Städte mit Bevölkerungsgewinnen durch Umzüge innerhalb NRWs. Während die größten Wanderungsgewinne dem Rhein-Sieg-Kreis (+38.921 Personen), dem Kreis Mettmann (+29.705) und dem Rhein-Erft-Kreis (+26.394) zuzuschreiben waren, verzeichneten auf der anderen Seite der Märkische Kreis (-45.388) und die kreisfreien Städte Essen (-40.455) und Mönchengladbach (-38.189) die höchsten Wanderungsverluste.
 

 

Deutsche zogen vermehrt in ländliche oder vorstädtische Kreise


Werden nur die Umzüge von Deutschen innerhalb NRWs betrachtet, ergibt sich ein zweigeteiltes Bild. Der Großteil der kreisfreien Städte verzeichnete über den gesamten Zeitraum von 2010 bis 2024 Wanderungsverluste, während die meisten Kreise Wanderungsgewinne verbuchen konnten. Dies zeigt den Trend auf, dass Deutsche in diesem Zeitraum aus den kreisfreien Städten in die (ländlicheren) Kreise umgezogen sind.


Dass neben den vielen Kreisen Münster als einzige kreisfreie Stadt eine hohe Nettozuwanderung von Deutschen aufweist, liegt an einem Sondereffekt: Die Einführung der Zweitwohnsitzsteuer im Jahr 2011 hatte viele, vormalig mit Zweitwohnsitz gemeldete Studierende dazu motiviert, den Hauptwohnsitz in Münster anzumelden. In der Wanderungsstatistik spiegelte sich dieser Effekt insbesondere im Jahr 2011 in einer überdurchschnittlich hohen Nettozuwanderung wider (+30 deutsche Zugezogene je 1.000 deutsche Einwohnerinnen und Einwohner).
 

 

Wanderungsmuster von Nichtdeutschen sehr heterogen und geprägt von Erstaufnahmeeinrichtungen


Bei den Umzügen von Nichtdeutschen innerhalb des Landes zeigt sich ein sehr unausgewogenes Bild: Wenigen Kreisen und kreisfreien Städten mit hohen Wanderungsverlusten stehen viele mit Wanderungsgewinnen gegenüber. In Summe verzeichneten – über alle 15 Jahre des Zeitraums 2010 bis 2024 hinweg – zwölf Kreise und kreisfreie Städte Bevölkerungsverluste infolge der Landesbinnenwanderung von Nichtdeutschen, während 41 Regionen ausländische Bevölkerung dazugewinnen konnten. Die größte Nettoabwanderung konzentriert sich insbesondere in den Jahren von 2010 bis 2014, 2019 sowie 2022 und 2023 auf wenige Kreise und kreisfreie Städte. Dieses Wanderungsmuster erklärt sich durch Schutzsuchende, die i. d. R. zunächst in zentralen Erstaufnahmeeinrichtungen registriert und untergebracht werden. Für die Kreise und kreisfreien Städte mit zentralen Erstaufnahmeeinrichtungen werden die Schutzsuchenden in der Wanderungsstatistik i. d. R. als Zuzüge aus dem Ausland registriert. In der anschließenden, durch Politik und Verwaltung gesteuerten Verteilung auf andere Kreise und kreisfreie Städte werden die Schutzsuchenden als Wanderungen innerhalb des Bundeslandes (bzw. innerhalb Deutschlands) verbucht. Entsprechend weisen die betroffenen Kreise und kreisfreien Städte hohe Außenwanderungsgewinne – die hier nicht betrachtet werden – und gleichzeitig hohe Binnenwanderungsverluste auf.3

 

 


Alle der o. g. zwölf Kreise und kreisfreien Städte mit Wanderungsverlusten hatten auf ihrem Gebiet im Zeitraum 2010 bis 2024 zumindest zeitweise Erstaufnahmeeinrichtungen oder Zentrale Unterbringungseinrichtungen für Flüchtlinge. Augenfällig ist diesbezüglich insbesondere die hohe Abwanderung von Nichtdeutschen für den Kreis Höxter im Jahr 2015; diese war zurückzuführen auf zwei Aufnahmeeinrichtungen in den kreisangehörigen Gemeinden Bad Driburg und Borgentreich. 
 

 

Fazit

Zusammenfassung der Ergebnisse


In den Jahren 2010 bis 2024 sind in jedem Jahr durchschnittlich etwa 428.000 Menschen innerhalb NRWs von einem Kreis bzw. einer kreisfreien Stadt in einen anderen Kreis bzw. eine andere kreisfreie Stadt umgezogen. Dies waren jahresdurchschnittlich 2,4 % der Bevölkerung NRWs.


Von den Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit zog im Zeitraum 2010 bis 2024 mit ca. 2 % ein nahezu konstanter Anteil jährlich über die Kreisgrenzen innerhalb des Landes um. Bei den Nichtdeutschen lag dieser Anteil im gleichen Zeitraum durchgehend höher und schwankt deutlich stärker mit einem Höchstwert in 2015 (8,5 %). 


Die Entwicklung der Zahl der Umzüge innerhalb NRWs steht in einem engen Zusammenhang mit Schutzsuchenden, die in der Vergangenheit in einzelnen Jahren in hoher Zahl aus dem Ausland nach NRW gekommen sind und sich dann zeitverzögert durch Umzüge weiter innerhalb NRWs verteilt haben. In den Jahren 2015 und 2022 war der Anteil Nichtdeutscher an Umzügen innerhalb NRWs auf über ein Drittel angestiegen.


Seit dem Jahr 2017 zeigten sich neue Entwicklungstrends: Ländlich oder vorstädtisch geprägte Kreise verzeichnen Wanderungsgewinne aus dem Rest NRWs. Hingegen weisen die Großstädte seit 2017 im Trend wachsende Wanderungsverluste auf. Städtisch geprägte Kreise erzielen seit 2014 durchgängig Wanderungsgewinne – vornehmlich aus den Großstädten. 


Großstädte haben sich demnach in den letzten Jahren vom Wanderungsgewinner zum -verlierer entwickelt. Insbesondere Familien zieht es verstärkt aus den Großstädten (kreisfreien Städten) in die vorstädtischen bzw. ländlichen Kreise. Nur bei den 18- bis unter 25-Jährigen können die Großstädte weiterhin Wanderungsgewinne verbuchen.

 

Fußnoten und Hinweise

Fußnoten und Zitiervorschlag

1 In den einzelnen Kreisen und kreisfreien Städten variieren die Anteile der Landesbinnenwanderungszuzüge an allen Zuzügen zum Teil deutlich, bspw. im Jahr 2024 von 30,7 % bis 68,8 %. Auch bei den Anteilen der Fortzüge in andere Kreise/kreisfreie Städte an allen Fortzügen ist die Spannweite hoch, 2024 reicht sie von 30,1 % bis hin zu 74,1 %.

2 In dieser Kategorie enthalten sind Großstädte, die gleichzeitig den Status einer kreisfreien Stadt haben. Da Neuss, Bergisch-Gladbach, Moers, Gütersloh und Recklinghausen zwar Großstädte sind, aber nicht den Status einer kreisfreien Stadt innehaben, bleiben sie in dieser Kategorie unberücksichtigt.

3 Vgl. https://www.bib.bund.de/DE/Fakten/Fakt/M40-Binnenwanderungssaldo-Kreise.html 

Zitiervorschlag: IT.NRW, Statistisches Landesamt: Wohin ziehen die Menschen innerhalb NRWs? Trends und Entwicklungen in den Jahren 2010 bis 2024, in: Statistik.NRW, 21.09.2026, https://statistik.nrw/service/veroeffentlichungen/statistik-kompakt/wohin-ziehen-die-menschen-innerhalb-nrws, abgerufen am [TT.MM.JJJJ].

Datengrundlage und Methode


Als Landesbinnenwanderungen werden in dieser Veröffentlichung Umzüge innerhalb Nordrhein-Westfalens betrachtet, bei denen die Grenze eines Kreises bzw. einer kreisfreien Stadt überschritten wird. Unberücksichtigt bleiben Umzüge innerhalb eines Kreises zwischen den kreisangehörigen Gemeinden (Kreisbinnenwanderung) sowie Umzüge innerhalb einer Gemeinde.
Da bei der Landesbinnenwanderung die Wanderungsgewinne der einen Verwaltungseinheit gleich die Wanderungsverluste der anderen Verwaltungseinheit sind, bleibt die Wanderungsbilanz aggregiert auf Landesebene bei +/-0.
Zentrale Datenquelle für die vorliegenden Auswertungen ist die Wanderungsstatistik. Erhebungsgrundlage der Wanderungsstatistik sind die An- und Abmeldungen, die bei einer Verlegung der alleinigen oder der Hauptwohnung über die Gemeindegrenze sowie bei Wohnungsstatusänderungen (von einer Nebenwohnung zur Hauptwohnung oder alleinigen Wohnung) in den Einwohnermeldeämtern erfasst und an die Statistischen Landesämter übermittelt werden. 
Unberücksichtigt bleiben die Umzüge innerhalb der Gemeinden sowie An- und Abmeldungen von Nebenwohnungen. Es werden Wanderungsfälle, nicht aber die wandernden Personen, nachgewiesen. Die Zahl der Wanderungsfälle in einem Jahr ist i.d.R. größer als die Zahl der wandernden Personen, da eine Person in einem Jahr mehrmals umziehen respektive ihren Wohnungsstatus ändern kann. Zur sprachlichen Vereinfachung ist im vorliegenden Artikel vielfach von der Anzahl der Personen (Zu- bzw. Fortgezogene) die Rede, fachlich korrekt handelt es sich dabei um die Anzahl der Zu- bzw. Fortzüge. 
Als Wanderungssaldo bzw. Nettowanderung wird die Differenz zwischen der Zahl der Zuzüge und der Zahl der Fortzüge für eine bestimmte Region und einen bestimmten Zeitraum bezeichnet. Ist der Wanderungssaldo positiv, spricht man vom Wanderungsüberschuss beziehungsweise Wanderungsgewinn, im entgegengesetzten Fall vom Wanderungsdefizit beziehungsweise Wanderungsverlust.
Die Nettowanderungsrate beschreibt für ein Berichtsjahr und ein definiertes Gebiet die Differenz zwischen der Zahl der Zuzüge und der Fortzüge bezogen auf 1.000 Personen der mittleren Bevölkerung. Durch die Berücksichtigung der Größe der Bezugsbevölkerung eignet sie sich für Zeitvergleiche sowie den regionalen Vergleich. Eine positive Nettowanderungsrate bedeutet, dass mehr Personen zu- als fortgezogen sind und entspricht einem Wanderungsgewinn. Eine negative Wanderungsrate bedeutet dagegen einen Wanderungsverlust. Im vorliegenden Artikel liegen der Berechnung der Nettowanderungsraten die Zu- und Fortzüge über die Grenzen der Kreise und kreisfreien Städte innerhalb Nordrhein-Westfalens sowie die mittlere Bevölkerung Nordrhein-Westfalens auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte zugrunde.
Die mittlere Bevölkerung eines jeweiligen Jahres wird anhand der Daten aus der Bevölkerungsfortschreibung wie folgt berechnet:


(Bevölkerungsstand 31.12. des Jahres tx + Bevölkerungsstand 31.12. des Vorjahres tx-1) / 2

 

Einteilung der Raumtypen


Die Gliederung nach Raumtypen der einzelnen Kreise und kreisfreien Städte in NRW erfolgte in Anlehnung an die Typisierung von Eurostat (Urban-Rural-Klassifikation für NUTS-3 2024).  Diese Einteilung wurde jedoch auf die NRW-Gegebenheiten angepasst. Die Urban-Rural-Klassifikation unterscheidet insgesamt in drei Kategorien: 1. „Überwiegend städtisch“, 2. „intermediär“ und 3. „überwiegend ländlich“. Sie hat gegenüber anderen Raumtypisierungen den Vorteil für NRW, dass sich die Einteilung anhand der Bevölkerungsdichte auf Gitterzellenebene und nicht der Gesamtfläche des Kreises bemisst. Eine detaillierte Erläuterung ist unter folgendem Link zu finden: https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php?title=Territorial_typologies_manual_-_urban-rural_typology (nur auf Englisch verfügbar). 


Um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass NRW im Vergleich zu anderen Flächenbundesländern sehr städtisch ist und viele kreisfreie Großstädte hat, wurde die Eurostat-Typisierung „überwiegend städtisch“ um eine weitere Kategorie ergänzt: die kreisfreie Großstadt. Die kreisfreien Großstädte unterscheiden sich gegenüber den anderen städtischen Kreisen in NRW in einer Reihe von Punkten. Siedlungsstrukturell erfüllen beispielsweise alle kreisfreien Großstädte in NRW auch die Kriterien für die Typisierung „City“ nach der DEGURBA-Klassifikation, die ebenfalls von Eurostat für die Ebene der Gemeinden herausgegeben wird (siehe https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php?title=Glossary:Degree_of_urbanisation, nur auf Englisch verfügbar). Darüber hinaus sind die kreisfreien Großstädte per Definition verwaltungsseitig anders organisiert als kreisangehörige (große) Städte und damit städtische Kreise.


Zusätzlich wurden die Eurostat-Kategorien „überwiegend ländlich“ und „intermediär“ zu einer gemeinsamen Kategorie zusammengelegt und in „ländlich oder vorstädtisch geprägt“ umbenannt. Dies lässt sich unter anderem damit begründen, dass alle 17 von Eurostat als „intermediär“ eingestuften NRW-Kreise auch die sog. Ländlichkeitskriterien des Thünen-Instituts erfüllen (https://karten.landatlas.de). 

Für weitere Informationen siehe: Thünen-Landatlas, Ausgabe 26/06/2026. Hrsg.: Thünen-Institut Forschungsbereich ländliche Räume, Braunschweig (www.landatlas.de)


Die Klassifikation „ländlich bis vorstädtisch“ für einen Kreis bedeutet nicht, dass es nicht auch städtische Gebiete in diesem Kreis gibt. So kann es durchaus sein, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung in diesen Kreisen in sogenannten urbanen Clustern lebt. Jedoch liegen siedlungsstrukturelle Unterschiede zu den „überwiegend städtischen Kreisen“ vor, die eine unterschiedliche Kategorisierung rechtfertigen. So leben in „überwiegend städtisch“ geprägten Kreisen sogar mindestens 80 % der Menschen in urbanen Clustern. 


Die Kreise und kreisfreien Städte in NRW verteilen sich daher wie folgt auf die angepassten Kategorien: 
1.    Großstädte (kreisfreie Städte): 22
2.    Städtische Kreise: 13
3.    Ländlich oder vorstädtisch geprägte Kreise: 18


Die Zuordnung der einzelnen Kreise und kreisfreien Städte in NRW zu den drei Raumtypen ist unter der folgenden Downloadtabelle abrufbar.
 

Sie haben Fragen?
Sprechen Sie uns an.

Zur Kontaktseite

Zentraler statistischer Auskunftsdienst

Der zentrale statistische Auskunftsdienst ist Ihr Ansprechpartner für alle Fragen rund um Statistik und das Statistische Landesamt.

0211 9449-2495