Im Jahr 2025 starben in Nordrhein-Westfalen rund 219.000 Menschen. Das entspricht rein rechnerisch etwa 600 Sterbefällen pro Tag. Tatsächlich ist dieser Wert jedoch nicht konstant, denn das Sterbegeschehen schwankt im Verlauf des Jahres deutlich. Wie genau verteilen sich die Sterbefälle in Nordrhein-Westfalen über das Jahr? Welche Faktoren beeinflussen die Mortalität und welche Rolle spielt dabei das Alter der Verstorbenen? Antworten auf diese Fragen liefert der folgende Artikel.
Das Sterbegeschehen im Jahresverlauf
Saisonales Muster: Mehr Sterbefälle in den Winter- als in den Sommermonaten
Das Sterbegeschehen in Nordrhein-Westfalen folgt einem charakteristischen saisonalen Muster: In den Wintermonaten werden durchschnittlich höhere Sterbefallzahlen verzeichnet als in den Sommermonaten. Zugleich ist auch die Schwankungsbreite um den mittleren Wert (Median) herum im Winter größer. Das heißt, dass nicht nur das allgemeine Niveau der Sterbefälle in der kälteren Jahreszeit höher liegt, sondern auch die Ausschläge größer sind. Tage mit einer sehr hohen bzw. niedrigen Zahl an Sterbefällen sind demnach stärker ausgeprägt.
Über den Zeitraum 2015 bis 2025 war die Zahl der Sterbefälle im Februar am höchsten. Im Mittel verstarben in diesem Monat jeden Tag 666 Menschen. Ab März nahm die Mortalität ab und sank bis August auf ihren niedrigsten Wert von 518 Verstorbenen pro Tag. Ab Oktober stieg die mittlere Zahl der Sterbefälle im Betrachtungszeitraum dann wieder bis zum Jahresende an.
Median der Verstorbenen je Tag in NRW in den Jahren 2015 bis 2025*
* Ohne Saison 2017/18 und pandemische Saisons 2019/20 bis 2022/23.
Der Median ist der mittlere Wert einer nach der Größe sortierten Datenreihe. Er teilt alle Werte so, dass jeweils 50 % unter und 50 % über ihm liegen. Aufgrund dieser Eigenschaft ist er, anders als der Mittelwert (arithmetisches Mittel), weniger anfällig gegenüber extremen Ausreißern. Der Kernbereich (50 %) umfasst alle Werte, die 25 % über und unter dem Median liegen. Er bildet damit die Hälfte aller Werte ab. Der Gesamtbereich (90 %) umfasst alle Werte, die 45 % über und unter dem Median liegen. Damit deckt er 90 % aller Werte ab und schließt lediglich die höchsten und niedrigsten 5 % der Werte, d.h. extreme Ausreißer, aus.
Das erhöhte Sterbegeschehen im Winter ist ein bekanntes Muster, das in vielen Ländern zu beobachten ist. Wissenschaftliche Studien1 führen die erhöhte Sterblichkeit in den Wintermonaten insbesondere auf die Kältebelastung und Verbreitung von Atemwegsinfektionen zurück. Kälte führt durch Gefäßverengung und steigenden Blutdruck zu einer Belastung des Herz-Kreislauf-Systems, was das Risiko für Infarkte und Schlaganfälle, insbesondere bei älteren oder gesundheitlich vorbelasteten Personen, erhöht. Gleichzeitig begünstigen trockene Heizungsluft und der Aufenthalt in – häufig unzureichend belüfteten – Innenräumen die Verbreitung von Atemwegsinfekten wie Influenza (umgangssprachlich auch Grippe genannt), RSV und COVID-19.
Die Zahlen zu Krankenhausaufnahmen aufgrund schwerer Atemwegsinfektionen, die sogenannten SARI-Hospitalisierungsinzidenzen des Robert Koch Instituts (RKI), verdeutlichen die Relevanz des Infektionsgeschehens: Die Werte für Deutschland und die Zahl der Sterbefälle in Nordrhein-Westfalen zeigen einen ähnlichen Verlauf. Je mehr schwere Atemwegsinfektionen auftraten, desto mehr Sterbefälle wurden verzeichnet.
Besonders ausgeprägt war der Zusammenhang in den Jahren 2018 und 2022. In beiden Jahren übertrafen die Hospitalisierungsinzidenzen und die Zahl der Sterbefälle das saisonal Übliche deutlich.
Gestorbene je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner in NRW 2018 und 2022
Ab Spätherbst 2022 nahmen beispielsweise die schweren Atemwegserkrankungen stark zu. Die Zahl der Personen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner, die aufgrund eines schweren akuten Atemwegsinfekts stationär behandelt werden mussten, stieg von unter 20 (Oktober bis Mitte November) auf bis zu 38 Fälle in der dritten Dezemberwoche. Parallel dazu erhöhte sich auch die Zahl der Todesfälle ab Mitte Dezember. So starben am 6. November 2022 insgesamt 542 Personen in NRW; am 20. Dezember 2022 waren es 990 Personen. Das war der absolute Höchstwert der täglichen Sterbefälle in NRW im Zeitraum 2015 bis einschließlich 2025.
Diese Zahlen korrespondieren ebenso mit den Daten der Todesursachenstatistik für Nordrhein-Westfalen: Während Krankheiten des Atmungssystems (ICD J00-J99 der ICD 10 WHO) im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2024 für 7,5 % der Sterbefälle todesursächlich waren, stieg dieser Wert im Februar 2018 auf 9,6 % und im März auf 11,8 % an. Im Dezember 2022 lag er bei 9,3 %. Zudem starben in NRW im letzten Monat des Jahres 2022 weitere 4,9 % der Verstorbenen an einer COVID-19-Infektion. Insgesamt waren demnach im Dezember 2022 14,3 % der Sterbefälle in NRW auf eines der beiden Krankheitsbilder zurückzuführen.
Mehr Sterbefälle an Sommertagen mit Wärmebelastung
Obwohl das Niveau der Sterbefälle im Sommer insgesamt eher niedriger ist, konnten im Zeitraum 2015 bis 2025 auch in den Monaten Juni, Juli und August kurze Phasen stark erhöhter Mortalität beobachtet werden, in denen das Niveau der Wintermonate erreicht oder sogar übertroffen wurde. Hierbei spielten Hitzeperioden eine wichtige Rolle.
Zwar hat Hitze den entgegengesetzten Effekt wie Kälte, sie belastet den Organismus aber gleichermaßen:2 Die Blutgefäße werden geweitet, wodurch der Blutdruck sinkt und das Herz stärker arbeiten muss. Dadurch steigt das Risiko für Herzinfarkte und Kreislaufkollapse. Flüssigkeitsmangel durch starkes Schwitzen sowie gereizte Atemwege infolge hoher Ozonwerte belasten den Körper zusätzlich.
Die Relevanz der Temperaturentwicklungen im Sommer verdeutlichen die Hitzewarnungen, die der Deutsche Wetterdienst (DWD) tagesgenau auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte für NRW veröffentlicht.
Besonders markant war dies beispielsweise in den Jahren 2015 und 2019, in denen der DWD in Nordrhein-Westfalen an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen eine extreme Wärmebelastung nachwies. Parallel zur Wetterlage erhöhte sich die Mortalität innerhalb weniger Tage erheblich.
Gestorbene je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner in NRW 2015 und 2019
Während Anfang Juli 2019 noch weniger als 560 Personen täglich verstarben, stieg die Zahl ab dem 24. Juli, dem ersten Tag mit extremer Wärmebelastung, von 623 Fällen auf 906 am 26. Juli an. Damit übertraf die Mortalität während dieser kurzen Hitzewelle sogar das Niveau der winterlichen Infektionsphase 2018/2019. In dieser lag der Höchstwert bei 687 Sterbefällen am 28. Januar vor.
Das Sterbegeschehen in den Altersgruppen
Beobachtete Muster sind altersabhängig
Grundsätzlich ist die Sterblichkeit bei jüngeren Menschen deutlich niedriger als bei älteren Menschen. Pro Tag verstarb in Nordrhein-Westfalen im Zeitraum von 2015 bis 2025 in der Altersgruppe der unter 60-Jährigen weniger als eine Person je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner dieser Altersgruppe. Bei den 80-Jährigen und Älteren waren es dagegen rund 28 Personen pro Tag.
Gleichzeitig ist eine stärkere Anfälligkeit für Wärmebelastung und Infektionskrankheiten bei älteren Menschen erkennbar. Bei der Bevölkerung unter 60 Jahren sind weder der saisonale Verlauf noch die Auswirkungen der kurzen Hitzephasen im Sommer deutlich ausgeprägt. Bei der Gruppe der 80-Jährigen und Älteren sind die entsprechenden Muster wiederum klar erkennbar.
Gestorbene je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner im Alter von unter 60 Jahren in NRW 2023 bis 2025
Gestorbene je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner im Alter von 80 Jahren und älter in NRW 2023 bis 2025
Wenn Sie noch mehr über das Sterbegeschehen in Nordrhein-Westfalen herausfinden möchten, dann besuchen Sie doch den neuen Sterbefallkalender NRW.
Hinweise und Erläuterungen
Fußnoten
1 Vgl. u. a. Fowler et al. (2015) und Schindler et al. (2024).
2 Vgl. Ballester et al. (2023) und Faurie et al. (2022).
Erläuterungen zu Statistiken und weiteren Datenquellen
Die Statistik der Sterbefälle gibt Auskunft über die Anzahl der Gestorbenen in der Vergangenheit bis zum aktuellen Berichtsjahr. Zentrale Erhebungsmerkmale sind das Sterbealter, der Wohnort und das Geschlecht der Gestorbenen. In dieser Auswertung wurden alle Gestorbenen gezählt, für die ein Wohnort in Nordrhein-Westfalen gemeldet wurde.
Der Bevölkerungsstand am 31.12. umfasst die Anzahl der Personen, die an diesem Datum in Nordrhein-Westfalen leben. Grundlage für die Bevölkerungsstatistik bildet die Bevölkerungsfortschreibung.
Die Todesursachenstatistik gibt Aufschluss über die Todesursachen der Sterbefälle der Bevölkerung NRWs. Grundlage hierfür bilden die von den Ärztinnen und Ärzten ausgestellten Todesbescheinigungen, auf denen die Krankheiten bzw. sonstige Ursachen aufgelistet sind, die zum Tode geführt haben. Diese werden in einem elektronischen Kodiersystem erfasst, welches dann das sog. Grundleiden nach dem Regelwerk zur ICD-10-WHO ermittelt. Die Ergebnisse ermöglichen Aussagen zu regionalen Besonderheiten und Veränderungen im Zeitverlauf.
Die ICD-10 ist die zehnte Version der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD, Englisch für International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems), einer medizinischen Klassifikationsliste der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie enthält Codes für Krankheiten, Anzeichen und Symptome, auffällige Befunde, Beschwerden, soziale Umstände und äußere Ursachen von Verletzungen oder Krankheiten.
Die Hitzewarnungen basieren auf der thermischen Belastung, die mittels des „Klima-Michel-Modells“ unter Berücksichtigung von Lufttemperatur, Luftfeuchte, Windgeschwindigkeit und Strahlung berechnet wird. Die Daten werden durch den Deutschen Wetterdienst (DWD) zur Verfügung gestellt. Die Hitzewarnungen werden auf Ebene der kreisfreien Städte und Kreise veröffentlicht. Die Daten wurden aus dem Open Data Bereich des Climate Data Centers des DWD abgerufen (Datenstand: 16.09.2025).
Die Hospitalisierungsinzidenz schwerer akuter respiratorischer Infektionen (SARI) gibt Auskunft über die deutschlandweite Häufigkeit von Krankenhausaufnahmen aufgrund schwerer Atemwegsinfektionen. Dabei liegt der Fokus auf den Atemwegserkrankungen Influenza, COVID-19 und RSV-Infektionen. Die Daten werden vom Robert Koch Institut (RKI) bereitgestellt und stammen aus der syndromischen Krankenhaussurveillance ICOSARI. Diese basiert auf ICD-10-Diagnosecodes aus etwa 70 Sentinelkliniken. Für die Altersgruppe der unter 60-Jährigen stehen keine Inzidenzen zur Verfügung. Die Daten wurden am 02.06.2026 abgerufen (Datenstand: 28.05.2026).
Methodik
Die Daten der Sterbefälle stammen aus einer Vollerhebung bei den Standesämtern. Räumlich differenziert liegen die Daten bis auf die Ebene der kreisangehörigen Städte und Gemeinden vor. Ab dem Berichtsjahr 2025 werden die Ergebnisse mithilfe der Cell-Key-Methode geheim gehalten. Die farbliche Skalierung der Sterbefälle ist abhängig von der Altersgruppe gewählt.
Die Daten der Bevölkerungsfortschreibung basieren ab 2022 auf den fortgeschriebenen und bis 2021 auf den rückgerechneten Ergebnissen des Zensus 2022.
Die Daten der Todesursachenstatistik liegen, wie die Daten der Sterbefälle, bis auf die Ebene der kreisangehörigen Städte und Gemeinden vor und werden ab dem Berichtsjahr 2025 mittels Cell-Key-Methode geheim gehalten. Sie können aus Gründen der Geheimhaltung nur monats- und nicht tageweise berichtet werden.
Bei der Wärmebelastung unterscheidet der Deutsche Wetterdienst (DWD) zwei Warnstufen:
• Starke Wärmebelastung: gefühlte Temperatur über etwa 32 Grad C, zusätzlich nur geringe nächtliche Abkühlung
• Extreme Wärmebelastung: gefühlte Temperatur über 38 Grad C
In Wettervorhersagen wird üblicherweise die Lufttemperatur angegeben. Das Temperaturempfinden des Menschen entspricht der herrschenden Lufttemperatur aber nur, wenn man sich mit der Temperatur angemessener Kleidung bei mittlerer Luftfeuchtigkeit und Windstille langsam im Schatten bewegt. In der Sonne und bei hohem Wasserdampfgehalt der Luft empfindet man die Temperatur als höher, bei Wind – besonders im Winter – als geringer.
Die Gefühlte Temperatur ist eine künstliche Größe, die das Temperaturempfinden eines Menschen beschreibt. Zur Berechnung der Gefühlten Temperatur setzt der DWD das Klima-Michel-Modell ein, das den Wärmehaushalt eines Modellmenschen (Klima-Michel) bewertet. Die Gefühlte Temperatur steigt unter sommerlichen Bedingungen viel schneller als die Lufttemperatur an. Ist es jedoch kühl bei schwachem bis mäßigem Wind, kann sie auch unter die Lufttemperatur absinken.
Die Hitzewarnungen des DWD werden auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte veröffentlicht. Wenn an einem Tag eine Warnung für einzelne Kreise ausgegeben wurde, wird in der vorliegenden Veröffentlichung eine Hitzewarnung für Nordrhein-Westfalen angezeigt.
Die schweren Atemwegsinfektionen zeigen Hospitalisierungsinzidenzen schwerer akuter respiratorischer Infektionen (SARI-Hospitalisierungsinzidenzen), die mindestens eine moderate Höhe haben. Die Größe der Dreieck-Symbole repräsentiert die Höhe der Inzidenz. Die Grenze wird dabei in Anlehnung an die Definition der Aktivitätsbereiche des Robert Koch Instituts bestimmt. Auf Basis der wöchentlichen Inzidenzen der jeweils vorherigen fünf Saisons wird je Altersgruppe das 60. Perzentil als Grenzwert berechnet. Dabei werden die pandemischen Saisons 2019/20 bis 2022/23 nicht berücksichtigt. Für die Saisons vor 2019/20 werden die Saisons 2014/15 bis 2018/19 als Referenzzeitraum verwendet.
Für die unter 60-Jährigen stellt das RKI nach Altersgruppen differenzierte Inzidenzen zur Verfügung (unter 4 Jahre, 5 bis 14 Jahre, 15 bis 34 Jahre, 35 bis 59 Jahre). Für diese Altersgruppen können die Sterbefallzahlen aus Geheimhaltungsgründen allerdings nicht ausgewiesen werden. Inzidenzen für die gesamte Altersgruppe unter 60 Jahren stehen nicht zur Verfügung. Für die Einzelaltersgruppen können die Inzidenzen über das ARE-Dashboard des RKI eingesehen werden.
Literatur
Ballester, J., Quijal-Zamorano, M., Méndez Turrubiates, R. F., Herrmann, F. R., Robine, J. M., Basagaña, X., Tonne, C., Antó, J. M., & Achebak, H. (2023). Heat-related mortality in Europe during the summer of 2022. Nat Med 29, 1857–1866. https://doi.org/10.1038/s41591-023-02419-z
Faurie, C., F., Varghese, B. M., Liu, J., & Bi, P. (2022). Association between high temperature and heatwaves with heat-related illnesses: A systematic review and meta-analysis, Science of The Total Environment, Volume 852, 158332. https://doi.org/10.1016/j.scitotenv.2022.158332
Fowler, T., Southgate, R. J., Waite, T., Harrell, R., Kovats, S., Bone, A., Doyle, Y., & Murray, V. (2015). Excess winter deaths in Europe: A multi-country descriptive analysis. European Journal of Public Health, 25(2), 339–345. https://doi.org/10.1093/eurpub/cku073
Schindler C. J. A., Wittenberg I., Damm O., Kramer R., Mikolajczyk R., & Schönfelder T. (2024). Influenza-associated excess mortality and hospitalization in Germany from 1996 to 2018. Infectious Diseases and Therapy, Nov;13(11):2333-2350. https://doi.org/10.1007/s40121-024-01043-9
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